ABB trainiert Roboter per KI: 90 Prozent weniger Inbetriebnahme-Zeit

- ABB ergänzt OmniCore EyeMotion um den AI Robot Trainer: Bilder aus der eigenen Anlage trainieren das Modell, ein geführter Ablauf führt durch die Schritte.
- Laut Hersteller sinkt die Inbetriebnahme um bis zu 90 Prozent, die Taktzeit um bis zu 50 Prozent — der Taktwert gilt nur zusammen mit automatischer kollisionsfreier Bahnplanung.
- Jede Kameramarke ist laut ABB kompatibel, Anwendungen reichen von 2D-Pick-and-Place bis 3D-Bin-Picking und Qualitätsprüfung.
- Preis, Liefertermin und Referenzkunden für Deutschland nennt ABB nicht; das Robotikgeschäft geht an SoftBank.
ABB Robotics hat auf der Industriemesse CIIF in Shanghai eine Erweiterung seiner Roboter-Bildverarbeitung vorgestellt. Der AI Robot Trainer soll Anwender in die Lage versetzen, Bildverarbeitung selbst anzulernen, ohne KI-Spezialisten. Der Hersteller verspricht bis zu 90 Prozent kürzere Inbetriebnahme und bis zu 50 Prozent kürzere Taktzeiten.
Was der Trainer tatsächlich macht. Bisher brauchte eine Bildverarbeitung für den Roboter jemanden, der ein KI-Modell aufbaut und trainiert. Der AI Robot Trainer nimmt stattdessen Bilder von der eigenen Anlage, lernt daraus und schiebt das Ergebnis auf den Roboter. Ein geführter Ablauf und ein KI-Chatbot erklären die Schritte. Gezeigt wurde das System auf der CIIF in Shanghai vom 12. bis 16. Oktober.
Wem das hilft. Angesprochen sind Systemintegratoren und Automatisierungspartner, die mehrere Linien und Standorte betreuen. Neue Produkte, anderes Licht, veränderte Aufbauten sind dort Alltag. Das heißt konkret: Ein Umbau, für den bisher eine Woche Programmierarbeit eingeplant war, soll laut Hersteller an einem Tag laufen — nachweisen lässt sich das nur an der eigenen Anlage.
Wie belastbar die Zahlen sind. Die 90 Prozent sind eine Herstellerangabe ohne unabhängige Messung. ABB nennt weder die Anlage noch die Stückzahlen, auf denen der Wert entstanden ist. Die 50 Prozent kürzere Taktzeit gelten zudem nur in Kombination mit der automatischen kollisionsfreien Bahnplanung, also dem Umweg um Hindernisse herum. Preis, Liefertermin und deutsche Referenzkunden fehlen in der Ankündigung.
Wer ABB Robotics gerade übernimmt. Der japanische Investor SoftBank kauft die Robotiksparte für umgerechnet rund 4,9 Milliarden Euro, der Abschluss wird für dieses Jahr erwartet. Rund 7.000 Menschen arbeiten dort. Für Kunden heißt das konkret: Roadmap, Service und Ersatzteile hängen künftig an einem neuen Eigentümer. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Punkt für den Vertrag.
Wo die Grenzen liegen. Die Anwendungen reichen von einfachem Aufnehmen und Ablegen in der Ebene bis zum Griff in die Kiste, zur Qualitätsprüfung und Montage. Für typische Mittelstandsaufgaben wie Entgraten, Kommissionieren oder Prüfen nach Maß ist das relevant. Ein Roboter, der Bauteile aus einer Kiste greift, ersetzt aber keinen Mitarbeiter, sondern eine Taktzeit — und die muss man vorher und nachher messen.
| Inbetriebnahme | bis 90 Prozent kürzer (Herstellerangabe) |
| Taktzeit | bis 50 Prozent kürzer, nur mit automatischer Bahnplanung |
| Anwendungen | 2D-Pick-and-Place bis 3D-Bin-Picking, Prüfung, Montage |
| Kameras | jede Marke, laut ABB |
| Preis und Liefertermin | nicht genannt |
| Eigentümerwechsel | Verkauf an SoftBank, rund 4,9 Mrd. Euro |
Alle Prozentwerte stammen von ABB und sind nicht unabhängig gemessen. Für eine Investitionsentscheidung fehlen Preis, Lieferzeit und Referenzen aus Deutschland.
Fazit
Der AI Robot Trainer nimmt dem Integrator die Modellarbeit ab, nicht die Abnahme. Wer Bildverarbeitung bisher wegen fehlender KI-Leute liegen ließ, sollte jetzt einen Test auf der eigenen Linie verlangen — mit Taktzeit vorher und nachher.
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