Audi lässt Humanoide in Ingolstadt Teile sortieren — drei Roboter laufen im Test

- Im Audi Production Lab in Ingolstadt entnehmen drei mobile Humanoide von Agile Robots Teile aus Behältern und legen sie in Sequenzwagen ab.
- Die Logistik in Ingolstadt leistet rund eine Million solcher Griffe pro Tag; das Sortieren in Montagereihenfolge ist bis heute Handarbeit.
- Vor dem Aufbau in der Halle prüft Audi den Einsatz im digitalen Zwilling von Dassault Systèmes.
- Agile Robots hat nach eigenen Angaben über 20.000 Robotiklösungen bei Kunden im Einsatz.
Eine Million Mal am Tag greift die Logistik im Audi-Werk Ingolstadt in einen Behälter und legt das Teil so ab, dass es beim Einbau in der richtigen Reihenfolge zur Hand ist. Diese Arbeit sollen mobile humanoide Roboter übernehmen. Agile Robots aus München, Audi, Dassault Systèmes und Nvidia haben das Projekt auf der Nvidia-Messe GTC Berlin vorgestellt. Der Test läuft bereits.
Was die Roboter tun. Im Audi Production Lab, der Versuchsfläche des Konzerns für neue Produktionstechnik, entnehmen die Maschinen Teile aus Materialbehältern und setzen sie in Sequenzwagen ab. Dort stehen sie in der Reihenfolge, in der die Endmontage sie braucht. Die Fahrzeuge von Agile Robots sind Humanoide auf einer mobilen Basis: Oberkörper und Arme wie beim Menschen, der Unterbau fährt. Sie arbeiten auf menschlicher Höhe, damit sie in eine bestehende Halle passen. Bei Audi laufen derzeit drei dieser Roboter.
Warum das schwer ist. Zwei Aufgaben haben die Automatisierung bisher blockiert. Erstens Teile, die groß, formbar oder in vielen Varianten unterwegs sind. Zweitens das Greifen aus einem unsortierten Behälter, in dem jedes Teil anders liegt. Beides verlangt Wahrnehmung und zwei Arme, die zusammenarbeiten. Agile Robots setzt genau dort an: Die KI des Roboters erkennt Lage und Verpackung, die Doppelarme heben auch biegeschlaffe Teile. Ein solcher Griff ist weit mehr als ein standardisierter Handgriff an einer Fräse.
Erst der Zwilling, dann die Maschine. Bevor ein Roboter in der Halle steht, bauen die Partner die Logistikumgebung als digitalen Zwilling nach. Ein digitaler Zwilling ist ein Rechenmodell der Halle, in dem sich Abläufe durchspielen lassen, ohne dass etwas umgebaut wird. Grundlage ist die Software Delmia von Dassault Systèmes auf der Plattform 3DEXPERIENCE, dazu die Physik-Bibliotheken von Nvidia Omniverse. Geprüft werden Erreichbarkeit, Taktzeit, Ergonomie und Sicherheit. Später soll der KI-Assistent LEO die Ingenieure unterstützen und Planungsarbeit von Monaten auf Tage verkürzen. Das heißt konkret: Die Frage, ob der Roboter an dieser Station überhaupt hinkommt, wird am Rechner beantwortet und nicht nach dem ersten Umbau in der Halle.
Wer die Partner sind. Agile Robots sitzt in München und hat nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Robotiklösungen bei Kunden laufen, vor allem Industrieroboter und Cobots. Audi bringt die Prozesskenntnis ein: Die Supply-Chain-Experten definieren, welche Anforderungen der Test erfüllen muss. Dassault Systèmes liefert die Simulationsumgebung, Nvidia die Rechen- und Robotikbausteine. Der Referenzhumanoide Agile ONE SN ist werkseitig mit dem Robotermodell Isaac GR00T und dem Bordcomputer Jetson Thor ausgestattet. Bei Audi begannen erste Versuche im Frühjahr 2025, die technische Vertiefung im Sommer 2025.
Was der Mittelstand mitnehmen kann. Sequenzieren und Kommissionieren — also Teile in die richtige Reihenfolge bringen — ist auch in mittelständischen Montagen Handarbeit. Der Audi-Weg ist bemerkenswert unaufgeregt: kein Großeinkauf, sondern ein Test mit drei Robotern, vorbereitet im Rechner. Wer über einen Piloten nachdenkt, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen: erst die Tätigkeit und ihre Taktzeit erfassen, dann die Halle als Modell nachbauen, erst danach über Hardware sprechen. Diese Vorarbeit kostet Wochen statt Monate und verhindert den teuersten Fehler — den Roboter, der nach dem Aufbau nicht an die Regale kommt.
| Ort | Audi Production Lab, Werk Ingolstadt |
| Aufgabe | Teile aus Behältern greifen, in Montagereihenfolge setzen |
| Volumen heute | rund 1 Mio. Griffe pro Tag in der Logistik |
| Roboter im Test | 3 mobile Humanoide von Agile Robots |
| Partner | Agile Robots, Audi, Dassault Systèmes, Nvidia |
| Vorbereitung | Digitaler Zwilling mit Delmia und Omniverse |
| Start der Versuche | Frühjahr 2025, Vertiefung Sommer 2025 |
| Ziel | Serienproduktion, Termin offen |
Der offene Punkt: Der Test hat kein Enddatum. Audi nennt keinen Starttermin für den Serieneinsatz und keine Stückzahl. Drei Roboter in einer Versuchsfläche sind ein Machbarkeitsnachweis, kein Produktionssystem. Ob der Einsatz die Kosten trägt, entscheidet sich erst nach dem Piloten.
Unsere Einordnung
Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Audi kauft keine Roboter, sondern prüft erst die Aufgabe im Rechner. Genau dieser Schritt fehlt in vielen Projekten, in denen ein Humanoide später zum teuren Regalstück wird. Für den Mittelstand ist das die eigentliche Nachricht — nicht der Humanoide, sondern die Methode.
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