Direct Drive Tech startet an der Börse Hongkong — Robotergelenke ohne Getriebe

- Der Börsengang von Direct Drive Tech läuft: 50 Mio. Aktien, rund 126 Mio. Euro Emissionserlös, Handelsstart am 29. September in Hongkong.
- Die Module kommen ohne Getriebe aus: Motor, Geber und Regler bilden eine Einheit und treiben das Gelenk direkt an.
- 2025 lieferte das Unternehmen rund 8,5 Mio. Module für Konsumroboter aus und hält in diesem Feld nach Marktdaten 61,1 Prozent Anteil.
- Der Umsatz stieg von 2023 auf 2025 auf umgerechnet knapp 35 Mio. Euro, das Unternehmen schreibt aber weiter Verluste.
Das Pekinger Unternehmen Direct Drive Tech geht an die Börse Hongkong: Am 21. September startete die Zeichnungsphase, am 29. September beginnt der Handel. Das Unternehmen will 50 Mio. Aktien platzieren und damit rund 126 Mio. Euro einnehmen. Es baut Antriebsmodule für Roboter, die ohne Getriebe arbeiten — wäre der Börsengang wie geplant, wäre es das erste börsennotierte Unternehmen dieser Art.
Was das Unternehmen anders macht. In Robotergelenken steckt bisher fast immer ein Getriebe, das die hohe Drehzahl eines Motors in Kraft umsetzt. Direct Drive Tech lässt diese Stufe weg: Motor, Geber und Regler bilden eine Einheit und treiben das Gelenk direkt. Weniger Bauteile bedeuten weniger Verschleiß und weniger Spiel — dafür braucht der Antrieb mehr Elektronik und feinere Ansteuerung. Geliefert wird in Baureihen für Konsumroboter und Industrieanwendungen.
Wer die Kunden sind. 2025 hat das Unternehmen rund 8,5 Mio. Module ausgeliefert, überwiegend für Konsumroboter wie Saugroboter. Nach Marktdaten von Frost & Sullivan hält es damit 61,1 Prozent des chinesischen Marktes für solche Antriebsmodule. Dazu kommen eigene Rad-Bein-Roboter für Forschung und Dienstleistung. Vier der zehn größten Hersteller von Konsumrobotern arbeiten mit dem Unternehmen.
Wie die Zahlen aussehen. Der Umsatz ist von 2023 auf 2025 auf umgerechnet knapp 35 Mio. Euro gestiegen; im ersten Halbjahr 2026 lag er bei etwa 25 Mio. Euro, ein Plus von 39,7 Prozent. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 21,5 Prozent. Der bereinigte Verlust sank von umgerechnet rund 7,7 Mio. Euro im Jahr 2023 auf etwa 5,4 Mio. Euro im Jahr 2025 und weiter auf rund 3,4 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2026. Das Unternehmen wächst also schnell, verdient aber noch nichts.
Was der Börsengang einbringt. Der Erlös fließt nach Angaben des Unternehmens zur Hälfte in Forschung und Entwicklung, je ein Fünftel in Partnerschaften und Vertrieb sowie in den Ausbau der Fertigung, der Rest in Betriebsmittel. Seit der Gründung 2020 hat die Firma zwölf Finanzierungsrunden abgeschlossen, insgesamt rund 81 Mio. Euro, und wurde zuletzt mit umgerechnet etwa 398 Mio. Euro bewertet. Der Markt für solche Module soll bis 2030 auf rund 1,2 Mrd. Euro wachsen.
| Handelsbeginn | 29. September 2026 |
| Volumen | 50 Mio. Aktien, rund 126 Mio. Euro |
| Sitz / Gründung | Peking, 2020 |
| Produkt | Antriebsmodule ohne Getriebe, Rad-Bein-Roboter |
| Auslieferung 2025 | rund 8,5 Mio. Module |
| Marktanteil | 61,1 Prozent in China (Konsumroboter-Module) |
| Umsatz 2025 | umgerechnet knapp 35 Mio. Euro |
| Ergebnis 2025 | bereinigter Verlust rund 5,4 Mio. Euro |
| Risiko | Top-5-Kunden stehen für 85,7 Prozent des Umsatzes |
Ein Börsengang ist kein Produktnachweis. Das Unternehmen schreibt weiter Verluste, und fünf Kunden stehen für fast 86 Prozent des Umsatzes — fällt einer davon weg, trifft das die Zahlen sofort. Ob sich der Antrieb ohne Getriebe bei großen Robotern durchsetzt, ist offen.
Fazit
Direct Drive Tech zeigt, wo im Robotergeschäft derzeit Geld verdient wird: bei Antriebsmodulen, nicht bei fertigen Robotern. Für Einkäufer lohnt die Beobachtung, denn die Preise für Gelenkmodule bewegen sich mit solchen Kapazitätsausbauten. Wer Roboter beschafft, sollte im Datenblatt nachsehen, ob Getriebe oder Direktantrieb verbaut ist — Wartung und Ersatzteile unterscheiden sich erheblich.
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