Newsletter abonnieren →
NewsNeueste Meldungen
FörderungFörder-CheckAlle Förderprogramme
PreiseKaufcheck: 15 ModelleMieten statt kaufenHändler im ÜberblickWo kaufenHerstellerMarktübersicht
RatgeberROI-RechnerWas Humanoide könnenSicherheit & PflichtenAnbieter in Ihrer Nähe
Start › News › Produkt
Produkt

AIR: Schweizer Humanoider will ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten

Zweiamiger Roboter von Embodied AI an einer Verpackungsstation in einer Fabrikhalle (Foto: Embodied AI)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • AIR hat zwei Arme auf einer Radbasis; Motoren und Getriebe sitzen im Torso, die Arme sind leicht und geben bei Kontakt nach.
  • In der ersten Schicht steuert ein Bediener den Roboter per Fernsteuerung, nach rund einem Monat übernimmt er die Aufgabe selbst.
  • In bezahlten Pilotprojekten nennt das Unternehmen eine durchschnittliche Erfolgsquote von 95 Prozent.
  • Preis, Traglast und erster Liefertermin sind nicht veröffentlicht; die CE-Kennzeichnung ist für 2027 geplant.

Der Schweizer Hersteller Embodied AI hat am 6. November in München seinen ersten Humanoiden vorgestellt. AIR besteht aus einem Torso mit zwei Armen auf einer Radbasis und ist so gebaut, dass er ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten kann. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Verträge mit großen Herstellern geschlossen und nimmt nach der Premiere Bestellungen an.

Was an AIR anders ist. Die meiste Masse steckt im Torso: Motoren, Getriebe und Elektronik. Die Arme sind über Seilzüge angetrieben, wiegen laut Unternehmen zwei Kilogramm und heben fünf. Trifft ein Arm auf einen Menschen, gibt er nach, statt zu drücken. Genau das ist der Unterschied zu klassischen Industrierobotern, die aus Sicherheitsgründen hinter Gitter müssen. Das heißt konkret: Der Roboter kann in einer Linie stehen, in der Menschen arbeiten, ohne dass die Halle umgebaut wird.

Warum Räder statt Beine. Werkshallen sind flach. Auf Rädern steht der Roboter stabiler, trägt mehr und kostet weniger als ein zweibeiniger Antrieb. Embodied AI verzichtet damit auf das Kunststück, das viele Wettbewerber vorführen, und konzentriert sich auf die Arme. Für den Betrieb ist das die ehrlichere Rechnung: Kein Kunde zahlt fürs Treppensteigen, wenn die Aufgabe am Band sitzt.

Wie er den Job lernt. AIR startet per Fernsteuerung, ein Bediener führt die Arme durch die Aufgabe. Jede Schicht wird aufgezeichnet und als Trainingsdaten verwendet. Nach etwa einem Monat soll der Roboter die Tätigkeit selbst ausführen, der Bediener bleibt für Ausnahmen in Bereitschaft. Das heißt konkret: Der Betrieb bekommt ab dem ersten Tag Arbeit, ohne vorher eine Mannschaft für das Anlernen der Software abzustellen.

Was das Unternehmen belegen kann. In bezahlten Pilotprojekten mit einem Hersteller von Unterhaltungselektronik und einem Automobilzulieferer nennt Embodied AI eine durchschnittliche Erfolgsquote von 95 Prozent. Bei einer Prüfaufgabe zur Kabelhandhabung erreichte die bestehende Zweiam-Zelle des Unternehmens 98 Prozent, das Ziel lag bei 90. Diese Zahl beschreibt nicht AIR selbst, sondern die kleinere Vorgängerlösung mit derselben Software. Namen der Kunden nennt das Unternehmen nicht, Preis, Traglast und Liefertermin ebenso wenig.

Wer dahinter steht. Gründer und Chef ist Francesco Stella, 28, mit Promotion an der ETH Lausanne und Forschungszeit am MIT. CTO Kai Junge und COO Max Polzin kommen ebenfalls aus der Robotikforschung. Das Unternehmen hat 25 Mitarbeiter, sitzt in Lausanne und hat ein Büro in Rom. Zu den Geldgebern zählen Faber VC, Look AI Ventures, Techshop Capital, Vento, Plug and Play, Kickfund und Excellis. Von der Forschung zum Industrieroboter brauchte das Team nach eigener Darstellung neun Monate.

Was das für deutsche Betriebe bedeutet. Mit der neuen EU-Maschinenverordnung wird die CE-Kennzeichnung für solche Systeme ab 2027 zum Pflichtthema, Embodied AI plant sie für 2027. Wer eine Zelle mit wechselnden Handgriffen betreibt, sollte im Lastenheft drei Punkte festhalten: die geprüfte Norm für die Mensch-Roboter-Kollaboration, die tatsächliche Traglast pro Arm und die Frage, wer die Trainingsdaten besitzt. Genau dort entscheidet sich, ob der Roboter nach zwei Jahren noch zum Prozess passt oder zur teuren Insellösung wird.

AIR im Überblick
BauartTorso mit zwei Armen auf Radbasis
Armesehnengetrieben, 2 kg Eigengewicht, 5 kg Traglast
SicherheitKollaborativbetrieb ohne Zaun, ISO/TS 15066
AnlaufFernsteuerung ab erster Schicht, autonom nach rund einem Monat
Erfolgsquote95 % im Schnitt in bezahlten Pilotprojekten
CE-Kennzeichnunggeplant für 2027
Team25 Mitarbeiter, Sitz Lausanne, Büro Rom
Preisnicht veröffentlicht

Alle Leistungsangaben stammen vom Hersteller. Unabhängige Tests, Kundenreferenzen mit Namen und ein Preis fehlen. Wer AIR einplant, sollte eine eigene Testwoche mit der konkreten Aufgabe vereinbaren, statt von der Demo auf die Taktzeit zu schließen.

Fazit

AIR ist der erste europäische Versuch, Sicherheit über die Bauart statt über den Zaun zu lösen, und er kommt mit einem klaren Versprechen: produktiv ab dem ersten Tag, autonom nach einem Monat. Ob das hält, entscheidet sich in den Pilotprojekten, nicht in München. Betriebe mit häufig wechselnden Handgriffen sollten die CE-Frist 2027 und die Traglast jetzt ins Lastenheft schreiben.

Vesoma 1 aus München

Ein weiterer europäischer Humanoid für Lager und Produktion steht kurz vor dem Serienstart — mit anderen Prioritäten bei Traglast und Preis.

Zum Artikel

Was würde ein Roboter in Ihrem Betrieb kosten?

Rechnen Sie Break-even und Monatsrate in 60 Sekunden aus — kostenlos, ohne Anmeldung.

Zum ROI-Rechner →