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Einsatz

E.ON und NEURA schicken Humanoide ins Stromnetz

Inspektionsroboter vor einer Industrieanlage (Symbolbild, Quelle: The Robot Report)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • E.ON, NEURA Robotics und die enviaM-Gruppe bündeln ihre Entwicklung für humanoide Roboter in der Energieinfrastruktur
  • Pilotpartner ist MITNETZ STROM mit rund 71.000 Kilometern Verteilnetz in Ostdeutschland
  • Die Fähigkeiten werden im TUM RoboGym in München trainiert, unter anderem mit Vorführungen von Fachkräften
  • Erste Praxiserfahrung im laufenden Netz erwarten die Partner im Jahr 2027

E.ON, NEURA Robotics und die enviaM-Gruppe entwickeln gemeinsam Roboter für kritische Energieinfrastruktur. Zuerst sollen Humanoide Umspannwerke inspizieren und Monteure bei schweren oder gefährlichen Aufgaben entlasten. Praxiserfahrung im echten Netz erwarten die Partner im Jahr 2027.

Wer mit wem. NEURA Robotics aus Metzingen baut die Roboter und die Trainingsinfrastruktur. E.ON betreibt ein Verteilnetz von 1,6 Millionen Kilometern und versorgt rund 47 Millionen Kunden. Die enviaM-Gruppe aus Chemnitz beliefert 1,1 Millionen Kunden in Ostdeutschland. Pilotkunde ist MITNETZ STROM, die Netztochter der Gruppe und größter regionaler Verteilnetzbetreiber Ostdeutschlands mit rund 71.000 Kilometern Leitung.

Was die Roboter tun sollen. Im ersten Schritt geht es um Inspektion und Überwachung von Anlagen wie Umspannwerken, dazu um Unterstützung beim Werkschutz. Später kommen Aufgaben dazu, die körperlich schwer, monoton oder gefährlich sind. Gearbeitet wird zuerst unter kontrollierten Bedingungen, danach im laufenden Netz. Das heißt konkret: Kein Roboter geht direkt in den Betrieb, sondern erst nach einer Trainings- und Prüfphase.

Wie ein Roboter Inspektion lernt. Trainingsort ist das TUM RoboGym powered by NEURA am LabCampus am Münchner Flughafen, über 2.300 Quadratmeter, eröffnet im Oktober 2026. Dort lernen Maschinen auf drei Wegen: Monteure führen Aufgaben vor und werden dabei per Sensoranzug und Kamera aufgezeichnet, Roboter sammeln eigene Messdaten, Simulationen erzeugen daraus Varianten. Das Modell Neuron AI verarbeitet Bilder, Tastkontakt, Geräusche und Sprache. Ein erfahrener Monteur wird damit zur Trainingsquelle für viele Roboter.

Nahaufnahme der Hände eines Humanoiden von NEURA Robotics Quelle: NEURA Robotics
Nahaufnahme der Hände eines Humanoiden von NEURA Robotics (Quelle: NEURA Robotics)

Wer die Kontrolle behält. Die Plattform Neuraverse verbindet Training und Einsatz: Ein einmal gelernter Ablauf soll auf kompatiblen Robotern und an weiteren Standorten nutzbar sein. E.ON und enviaM behalten nach eigenen Angaben die Kontrolle über ihre Daten und die trainierten Fähigkeiten. Der Humanoide 4NE1 von NEURA soll Treppen, Türen und Schaltschränke nutzen können, ohne dass die Anlagen umgebaut werden.

Warum das über den Energiesektor hinausgeht. Die Kette aus Vorführung, Training und Erprobung ist nicht auf Umspannwerke beschränkt. Sie funktioniert überall dort, wo Erfahrungswissen knapp wird: in der Instandhaltung, in der Qualitätsprüfung, im Anlagenbau. Wer heute einen erfahrenen Mitarbeiter in Rente gehen lässt, verliert Wissen, das künftig auch als Trainingsdatensatz fehlt.

Die Partner und ihre Netze
PartnerNEURA Robotics, E.ON, enviaM-Gruppe
PilotbetriebMITNETZ STROM, Ostdeutschland
Netzlänge MITNETZrund 71.000 km
Netz E.ON1,6 Mio. km, rund 47 Mio. Kunden
TrainingszentrumTUM RoboGym, über 2.300 m²
Erste Praxistestsim Laufe des Jahres 2027

Ein Datum für den Regelbetrieb nennt keiner der Partner. 2027 steht für erste Praxiserfahrung, nicht für flächendeckenden Einsatz.

Der Trainingsort ist die eigentliche Neuigkeit

Bemerkenswert ist weniger der Roboter als der Ort, an dem er lernt: ein Zentrum, in dem Fachwissen aus über zehn Branchen systematisch in Trainingsdaten übersetzt wird. Wer selbst Fachkräfte sucht, sollte diesen Weg im Blick behalten. Nicht weil morgen ein Humanoider das Umspannwerk übernimmt, sondern weil Erfahrungswissen damit erstmals vervielfältigbar wird.

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