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ROBBI AI: Der Schweißcobot sucht die Naht selbst und spart das Einlernen

Schweißer mit Helm und ESAB-Handschuhen setzt einen Lichtbogen an ein Metallbauteil (Quelle: ESAB)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • ROBBI AI erzeugt den Schweißpfad selbst, statt einen eingelernten Pfad abzufahren, und passt Bewegung und Parameter während des Schweißens an.
  • Basis sind Universal-Robots-Arme UR10e oder UR20e mit EWM- oder ESAB-Stromquellen; die Rechenleistung steht im Werk, nicht in der Cloud.
  • Ziel sind Kleinserien, Rohrbau und WIG-Nähte, für die qualifizierte Schweißer fehlen; Preis und Marktstart sind offen.

ESAB bringt einen Schweißcobot auf den Markt, der seine Bahn selbst berechnet. ROBBI AI arbeitet mit Kamera und Laser, erkennt den Fugenverlauf und passt Bewegung und Schweißparameter während der Naht an. Gedacht ist das System für MIG und WIG, für Kleinserien und Rohrbau. Einen Preis nannte ESAB nicht.

Was anders ist. Bisher fährt ein Schweißroboter einen eingelernten Pfad ab. Weicht das Spaltmaß ab, wird nachprogrammiert oder der Bediener greift ein. ROBBI AI erzeugt den Pfad selbst: Der Bediener stellt das Werkstück auf, hinterlegt die Schweißanweisung mit Werkstoff, Nahtart und Zusatzwerkstoff und startet. Erkennt das System eine Lage, die die Naht gefährdet, hält es an. Das heißt konkret: Die Rüstzeit wandert vom Programmierer zum Bediener, der die Schweißanweisung ohnehin kennen muss.

Woher die Entscheidungen kommen. Kamera und Laser tasten die Fuge ab, die Software entscheidet über Bahn, Pendeln und Parameter. Gerechnet wird auf einem Rechner im Werk, nicht in der Cloud; die Lerndaten bleiben damit im Haus, und die Reaktion passiert im Takt der Naht. Die Software InduSuite soll die Korrekturen innerhalb der freigegebenen Schweißanweisung halten, also innerhalb der Parameter, die der Betrieb für dieses Bauteil qualifiziert hat. Nach jedem Stopp bleiben Video und Messdaten als Beleg für die Fehlersuche.

ROBBI AI auf Rollwagen: Cobot, Stromquelle und Steuerung in einer Station, davor ein Rohrbauteil auf Böcken Quelle: ESAB
ROBBI AI auf Rollwagen: Cobot, Stromquelle und Steuerung in einer Station, davor ein Rohrbauteil auf Böcken (Quelle: ESAB)

Die Hardware. Als Arm dient ein Universal Robots UR10e oder UR20e, optional auf einer siebten Achse und auf einem Rollwagen. Als Stromquellen nennt ESAB die EWM Titan XQ, die EWM Tetrix XQ und die Aristo Edge 500R. Mit dem EWM-Verfahren React sind laut Hersteller bis zu 100 Prozent höhere Schweißgeschwindigkeit und 35 Prozent weniger Wärmeeintrag möglich, mit dem Heißdraht-Verfahren tigSpeed bis zu 60 Prozent mehr Abschmelzleistung. Wer will, schaltet den KI-Modus ab und fährt den Cobot konventionell.

Für wen sich das rechnet. Interessant ist das für Lohnfertiger mit hoher Teilevielfalt, für Rohrbau etwa für Rechenzentren, für Behälter- und Apparatebau. Überall dort stehen Bleche und Rohre mit wechselnden Spaltmaßen, und überall dort sind Schweißer knapp, die WIG-Nähte in gleichbleibender Qualität ziehen. Die Grenze verläuft nicht beim Roboter, sondern beim Papier: Die Schweißanweisung, die Prüfung der Naht und die Dokumentation bleiben Aufgabe des Betriebs.

ROBBI AI — Eckdaten
RoboterarmUniversal Robots UR10e oder UR20e
StromquellenEWM Titan XQ, EWM Tetrix XQ, ESAB Aristo Edge 500R
SensorikKamera und Laser, Pfad wird selbst erzeugt
Rechenleistunglokal im Werk, keine Cloud-Pflicht
VerfahrenMIG/MAG und WIG, Rohrbau, Kleinserien
Preisnicht genannt
Marktstartangekündigt am 22. Oktober 2026, Termin offen

Ein Cobot, der selbst entscheidet, ändert die Haftungsfrage nicht. Schweißanweisung, Nahtprüfung und Dokumentation bleiben beim Betreiber, und die Parameter müssen innerhalb der qualifizierten Anweisung bleiben. ESAB hat Preis, Liefertermin und Referenzkunden nicht genannt; eine Investitionsrechnung ist damit derzeit nicht möglich.

Fazit

ROBBI AI ist weniger ein Ersatz für den Schweißer als ein Werkzeug gegen Rüstzeit. Wer pro Woche viele verschiedene Bauteile schweißt, sollte eine Vorführung verlangen und dabei zwei Fragen stellen: Wie wird dokumentiert, dass die KI innerhalb der Schweißanweisung bleibt, und was kostet das System gegenüber einer zweiten Schicht mit einem zusätzlichen Schweißer?

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