Roboter baut mit Bakterien: ETH Zürich lässt Sand zu Stein wachsen

- Die ETH Zürich koppelt bakterielle Mineralisierung an einen sechsachsigen Roboter und an 3D-Druck.
- Der Roboter sprüht Bakterien, Lösung und Sand im Wechsel auf; jede Schicht verfestigt sich von selbst.
- In Venedig wuchs die Struktur rund vier Zentimeter pro Monat, an der höchsten Stelle auf 24 Zentimeter.
- Für tragende Bauteile fehlen Kennwerte, und das Nebenprodukt Ammonium ist ungelöst.
Ein Roboter der ETH Zürich hat auf der Architekturbiennale in Venedig sechs Monate lang Sand und Bakterien zu einer steinernen Struktur aufgebaut. Zement war dafür nicht nötig. Hinter dem Versuch steht die Architektin Karen Antorveza Paez, die das Verfahren selbst bremst: Für tragende Wände reicht es noch nicht.
Wie aus Sand Stein wird. Das Bakterium Sporosarcina pasteurii spaltet Harnstoff. Trifft das Abbauprodukt auf Calcium, entsteht Calciumcarbonat — der Hauptbestandteil von Kalkstein. Die Kristalle lagern sich zwischen den Sandkörnern ab und verbinden sie. Das heißt konkret: Statt Zement bei rund 1.450 Grad zu brennen, verfestigt sich das Material bei Raumtemperatur.
Zwei Wege zum Bauteil. Beim ersten Verfahren druckt ein Roboter eine Bio-Tinte aus Sand, Bakterien und einem Gel schichtweise auf. Danach liegt das Teil zwei bis fünf Tage in einem Bad aus Harnstoff und Calciumchlorid. Auf diesem Weg entstand ein einen Quadratmeter großer Demonstrator für eine Trennwand. Beim zweiten Verfahren sprüht ein sechsachsiger Roboter Bakterien, Mineralisierungslösung und Sand direkt auf die Stelle, Lage für Lage.
Sechs Monate in Venedig. Der Roboter arbeitete 2025 sechs Stunden täglich an sechs Tagen pro Woche. Die Struktur war 1,2 Meter lang und 0,5 Meter breit. Sie wuchs im Schnitt vier Zentimeter pro Monat und erreichte an den höchsten Stellen 24 Zentimeter. Risse oder ein Ausfall von Bauteilen traten laut Studie nicht auf, und mit beschleunigten Prozesswerten wäre dieselbe Geometrie in etwa zwei Wochen möglich gewesen.
Wo die Grenzen liegen. Antorveza Paez vergleicht das Material derzeit eher mit Mörtel als mit Beton. Daten zu Haftfestigkeit, Durchlässigkeit und Witterung fehlen, und bei komplexen Oberflächen lässt sich die genaue Geometrie noch nicht vorhersagen. Dazu kommt ein chemisches Problem: Beim Abbau von Harnstoff entsteht Ammonium. „Wenn wir die Entsorgung dieses chemischen Nebenprodukts nicht in unsere Entwürfe einbeziehen, dann ist der Einsatz von Biozement im Bauwesen leider keine besonders nachhaltige Praxis“, sagt die Forscherin.
| Verfahren | robotisches Spritzen und 3D-Druck |
| Roboter | sechsachsiger Arm, drei Materialströme |
| Testaufbau | 1,2 × 0,5 m, Biennale Venedig 2025 |
| Wachstum | rund 4 cm pro Monat |
| Höhe | 24 cm nach sechs Monaten |
| Belastbarkeit | noch kein tragendes Bauteil |
Biozement ersetzt keinen Beton. Für tragende Teile fehlen reproduzierbare Kennwerte und Langzeitdaten, offen ist auch die Entsorgung des Ammoniums.
Fazit
Die ETH hat gezeigt, dass sich Biozementierung automatisieren lässt: ein Roboter, sechs Monate, keine gerissene Struktur. Für den Bau bleibt es Forschung an Fassaden, Trennwänden und Oberflächen. Wer ein nicht tragendes Element plant, sollte prüfen, ob es sich als Testfeld für solche Verfahren eignet — tragende Wände bleiben Beton.
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