GXO weitet Digit auf zwei weitere US-Standorte aus — und hat weiter keinen ROI

- Neue Standorte: Statesville (Tennessee) und Lebanon (Indiana), Digit 4 ab Anfang 2027
- In Flowery Branch (Georgia) hat Digit seit 2023 über 100.000 Behälter bewegt
- GXO-Chef Kelleher nennt 45 Humanoiden-Piloten — und keinen erzielten ROI
- Agility kann in RoboFab bis zu 10.000 Roboter pro Jahr bauen
Der US-Logistikkonzern GXO setzt die Humanoiden von Agility Robotics künftig an zwei weiteren Standorten ein: in Statesville im Bundesstaat Tennessee und in Lebanon in Indiana. Dort soll Digit ab Anfang 2027 im E-Commerce-Versand Behälter bewegen, zunächst als Version Digit 4. Bemerkenswerter als die Standorte ist die Offenheit, mit der GXO über die Wirtschaftlichkeit spricht: Nach 45 Humanoiden-Piloten hat der Konzern nach eigener Aussage noch immer keinen Return on Investment erzielt.
Wie lange Digit schon arbeitet. GXO und Agility starteten im Spätsommer 2023 in Flowery Branch im Bundesstaat Georgia. Der damalige Einsatz gilt als erster kommerzieller Betrieb eines Humanoiden in laufender Logistik und als erster Mietvertrag dieser Art überhaupt. Seitdem hat Digit dort mehr als 100.000 Behälter bewegt und sie auf Förderbänder gesetzt. Das heißt konkret: Der Roboter hat bewiesen, dass er eine eintönige Aufgabe über Jahre wiederholen kann — mehr aber auch nicht.
Was der Konzernchef selbst sagt. GXO-Chef Patrick Kelleher hat im August in der Bilanzkonferenz zum zweiten Quartal 2026 45 Humanoiden-Piloten eingeräumt. Ein Return on Investment sei bislang nicht erreicht, sagte er damals, man sei davon noch etwa zwei Jahre entfernt. Die neue Ausweitung kommentierte GXO mit dem Hinweis, sie spiegele den langjährigen Ansatz, Automatisierung schrittweise im laufenden Betrieb zu erproben. Wie viel Geld in den Ausbau fließt und wann sich das rechnen soll, teilte das Unternehmen nicht mit.
Warum GXO trotzdem weitermacht. Der Logistiker ist groß genug, um mehrere Technologien parallel zu testen: über 150.000 Beschäftigte, mehr als 1.000 Standorte, rund 18,5 Millionen Quadratmeter Fläche. Neben Digit hat GXO bereits den Apollo von Apptronik und den Reflex von Reflex Robotics geprüft. Die neuen Standorte liegen im E-Commerce-Versand, wo Kommissionieren und Behälterumlauf den Takt bestimmen. Sobald Digit 5 kommerziell verfügbar ist, will GXO umstellen — die neue Generation hat andere Beine und soll sicherer neben Menschen arbeiten.
Was der Hersteller dafür aufbaut. Agility betreibt in Salem (Oregon) das Werk RoboFab mit rund 6.500 Quadratmetern Fläche und einer Auslegung für bis zu 10.000 Roboter pro Jahr. In Pittsburgh entsteht zusätzlich ein Standort mit rund 4.650 Quadratmetern für den Kundendienst. Das Unternehmen nennt mehr als 30 Interessenten in der Pipeline und bezahlte Programme bei einem Autohersteller, einem Automobilzulieferer und einem Konsumgüterkonzern. Ein Auftragsbestand ist das nicht — es sind bezahlte Einzelprojekte.
Was das für deutsche Betreiber bedeutet. Der Fall GXO ist die ehrlichste Datengrundlage, die es derzeit gibt: ein Konzern mit eigener Automatisierungsabteilung, drei Jahre Betrieb, ein bekannter Anwendungsfall — und am Ende noch kein positiver Deckungsbeitrag. Das heißt konkret: Wer 2027 einen Humanoiden einkauft, kauft ein Lernprojekt mit offenem Ausgang. Wer die Entscheidung vorbereiten will, sollte nicht nach Stückpreisen fragen, sondern nach Verfügbarkeit im Schichtbetrieb, Wartungspauschale und der Zahl der Stunden, die der Roboter ohne Eingriff durchläuft.
| Neue Standorte | Statesville (Tennessee), Lebanon (Indiana) |
| Start | Digit 4 ab Anfang 2027, Umstieg auf Digit 5 später |
| Erster Einsatz | Flowery Branch (Georgia), seit 2023 |
| Dort bewegte Behälter | über 100.000 |
| Humanoide Piloten bei GXO | 45, nach eigener Aussage ohne ROI |
| Agility-Kapazität | RoboFab: bis 10.000 Roboter pro Jahr |
GXO nennt weder Investitionssumme noch einen Termin für den Break-even. Die Aussage zum fehlenden ROI stammt aus der Bilanzkonferenz im August 2026 und ist damit die bislang verbindlichste Zahl des Konzerns.
Ein Ausbau ist noch kein Beweis
GXO verdoppelt die Zahl der Standorte, nicht die Belegschaft. Zwei zusätzliche Häuser mit demselben Roboter sind ein Vertrauensbeweis für die Technik, aber kein Beleg für ihre Rentabilität. Für Zulieferer und Anwender bleibt die entscheidende Größe die Zahl der Betriebsstunden pro Störung — und die veröffentlicht bislang niemand.
Was Humanoiden im Betrieb wirklich kosten
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