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Hikrobot baut mobile Roboter ohne Leitrechner — 30 Minuten bis zum ersten Einsatz

Gang eines automatischen Kleinteilelagers mit Schienen und Shuttle-Fahrzeug
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Die Modelle Z1-300 und Z2-1500 tragen 300 beziehungsweise 1.500 Kilogramm und brauchen keinen zentralen Leitrechner.
  • Jeder Roboter rechnet selbst; eine Karte reicht für mehrere Fahrzeuge, ein Rundgang programmiert den Stapler-Roboter.
  • Hikrobot nennt 30 Minuten vom Auspacken bis zum produktiven Einsatz und mehr als 200.000 gebaute Roboter.
  • Beim Kleinteilelager sinken die Wege laut Hersteller um über 50 Prozent, die Zahl der Transportroboter um 30 Prozent.

Ein fahrerloses Transportfahrzeug im Lager braucht bisher meist drei Dinge: einen Server, eine Projektwoche beim Integrator und eine Halle, die dafür umgebaut wird. Hikrobot will diese Hürde wegnehmen. Der chinesische Hersteller hat am 23. Oktober zwei Baureihen vorgestellt, die alles, was sie zum Fahren und Entscheiden brauchen, selbst an Bord haben. Auspacken, Karte anlernen, losfahren — laut Hersteller in einer halben Stunde.

Was die Geräte können. Der Z1-300 fährt unter Ladungsträger und hebt sie an, der Z2-1500 arbeitet wie ein Gabelstapler. Sie tragen 300 und 1.500 Kilogramm. Beide übernehmen Transport und Zustellung: Beladen von Hand, automatisches Aufnehmen und Absetzen, dazu Streckenfahrten, bei denen die Software selbst erkennt, ob ein Platz frei oder belegt ist. Eine einmal eingelernte Karte teilen sich mehrere Fahrzeuge. Den Z2 programmiert ein Mitarbeiter, indem er die Strecke einmal mitfährt. Der Z1 passt durch Gänge von 60 Zentimetern Breite.

Warum der Server fehlt. Bisher rechnet ein zentraler Leitrechner, welcher Roboter wohin fährt. Fällt er aus, steht der ganze Fuhrpark. Hikrobot verteilt diese Entscheidung auf die Fahrzeuge: Jedes nimmt Hindernisse selbst wahr, weicht stehenden, fahrenden und überhängenden Teilen aus und stimmt sich mit den anderen ab, ohne Zentrale. Das heißt konkret: Ein kleiner Betrieb kann mit einem Fahrzeug anfangen und später ein zweites dazustellen, ohne Softwareprojekt und ohne Rechner im Serverraum.

Was sich im Lager ändert. Beim Kleinteilelager hat Hikrobot die Arbeitsteilung zwischen zwei Robotertypen umgebaut. Der Behälterroboter STU übernimmt jetzt alle Aufgaben innerhalb einer Gasse, der Unterfahrroboter T50 übergibt die Behälter nur noch an der Gassenmündung. Die Wege werden dadurch laut Hersteller um mehr als 50 Prozent kürzer. Mit 30 Prozent weniger T50-Fahrzeugen stieg die Zahl erledigter Aufgaben von 100 auf 123,5 Prozent, die Zahl der Lagerplätze um 6,1 Prozent. Eine doppelseitige STU-Variante verdoppelt den Durchsatz pro Gasse, eine Quergang-Variante wechselt über gebogene Schienen in die Nachbargasse.

Der Kommissionierplatz. Für das Zusammenstellen von Aufträgen bietet Hikrobot die Station HAPS an: 3D-Kameras, mobile Roboter und Roboterarme greifen zusammen und schaffen nach Herstellerangaben bis zu 900 Teile pro Stunde bei einer Genauigkeit von über 99,99 Prozent, im Rundlauf. Das ist die Kennzahl, an der sich ein Lagerleiter orientiert — und die angesichts der Genauigkeit ohne Nachkontrolle auskommen soll.

Was davon belastbar ist. Alle Zahlen kommen vom Hersteller, nicht von einem Kunden oder einem Testinstitut. Wer die Geräte ernsthaft prüft, sollte drei Dinge verlangen: eine Vorführung in der eigenen Halle mit den eigenen Behältern, die Angabe, was beim Ausfall eines Fahrzeugs mit dessen Aufträgen passiert, und eine Referenz mit Laufzeit über mindestens ein Jahr. Der Einstieg ohne Leitrechner senkt die Kosten — er ersetzt aber keine Antwort auf die Frage, wer die Anlage wartet.

Die neuen Hikrobot-Baureihen
ModelleZ1-300 (Unterfahr), Z2-1500 (Stapler)
Traglast300 kg und 1.500 kg
Inbetriebnahmelaut Hersteller 30 Minuten ab Auspacken
Leitrechnernicht nötig, Rechnen im Fahrzeug
Engste Durchfahrt Z160 cm
KleinteilelagerWege >50 % kürzer, 30 % weniger T50
Kommissionierstation HAPSbis 900 Teile/h, Genauigkeit >99,99 %
Gebaute Roboterüber 200.000 (Herstellerangabe)

Vorsicht bei den Zahlen: Durchsatz, Genauigkeit und Aufbauzeit sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung. Ein Vorführlauf mit den eigenen Behältern sagt mehr als jedes Datenblatt.

Unsere Einordnung

Der interessante Teil ist nicht die Traglast, sondern der weggelassene Server. Bisher entschied die IT-Infrastruktur, ob ein mittelständisches Lager überhaupt automatisieren kann. Fällt diese Bedingung, wird der Einstieg eine Frage des Prozesses statt des Budgets — und damit eine Frage, die ein Geschäftsführer ohne IT-Abteilung selbst beantworten kann.

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