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Humanoide: Die Hersteller zählen Ausstoß — nur nicht den Return

Humanoider Roboter Digit von Agility Robotics im Studio
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Worken multipliziert aktive Roboter, autonome Stunden und einen Effizienzfaktor
  • Agility meldet über 100.000 bewegte Taschen, Figure über 90.000 Blechteile-Zyklen
  • Die Zahlen lassen sich nicht vergleichen, weil jede Firma etwas anderes zählt
  • In der Worken-Formel fehlen Anschaffung, Miete, Wartung und Stillstand

Die Robotikbranche hat ihren Fortschritt lange in verkauften Maschinen und gezeigten Aufgaben gemessen. Der chinesische Hersteller AGIBOT schlägt jetzt eine andere Kennzahl vor: die tatsächlich geleistete Arbeit. Worken heißt sie, vorgestellt Ende Oktober auf dem eigenen Innovationstag.

Wie die Kennzahl rechnet. Worken zählt drei Dinge. Erstens die Roboter, die wirklich in einer laufenden Umgebung arbeiten — nicht gebaute oder eingelagerte Einheiten. Zweitens die Stunden, in denen niemand eingreifen musste. Drittens das Verhältnis von erreichter Leistung zu einer Vorgabe für die Aufgabe, meist der Leistung eines Menschen im Normalbetrieb. Zwei gleich große Flotten können damit sehr unterschiedliche Werte erzielen.

Das heißt konkret: Ein Betrieb sieht erstmals, ob ein Roboter wirklich Arbeit erledigt oder nur läuft. Für die Investitionsentscheidung ist das der interessante Teil.

Was die Hersteller heute melden. Agility Robotics hat mit seinem Humanoiden Digit bei GXO in Georgia über 100.000 Taschen bewegt, nach eigenen Angaben mit etwa 98 Prozent Treffsicherheit. In der Börsenanmeldung stehen über 65.000 Betriebsstunden für Digit 4 an neun Kundenstandorten. Dazu kommen Aufträge über mehr als 273 Mio. € für Digit 5. Figure meldet für Figure 02 elf Monate im BMW-Werk Spartanburg mit Zehn-Stunden-Schichten und über 90.000 Blechteile-Zyklen.

Diese Zahlen messen Verschiedenes: Betriebsstunden zeigen Auslastung, Treffsicherheit zeigt Zuverlässigkeit, Aufträge zeigen Nachfrage. Taschen und Blechteile lassen sich nicht gegeneinander rechnen. Genau das soll Worken leisten — bisher hat es kein Hersteller veröffentlicht.

Der Haken an der Kennzahl. In der Formel fehlt jeder Kostenbegriff. Anschaffung, Leasing, Wartung, Strom, Integration und Stillstand stehen nicht drin. Ein Roboter kann einen hohen Worken-Wert erreichen und trotzdem teurer sein als die Arbeit, die er ersetzt. Außerdem ist Worken der Vorschlag eines Herstellers, kein Standard.

Dieselbe Lücke zeigt sich außerhalb der Robotik. In einer Umfrage unter großen US-Unternehmen berichten 90 bis 100 Prozent von irgendeiner Rendite auf KI-Ausgaben. Nur 5 bis 10 Prozent erreichen die volle Amortisation. Bei Amazon, mit über einer Million Lagerrobotern, liegt der Nutzen laut Unternehmen bei bis zu 15 Sekunden pro Artikel.

Was Betriebe selbst messen sollten. Vier Größen reichen für den Anfang: produktive Stunden pro Tag, Eingriffe pro Schicht, Ausschussquote und Rüstzeit. Aus ihnen lässt sich ein Preis pro produktiver Stunde bilden — die einzige Zahl, die mit dem eigenen Stundenlohn vergleichbar ist. AGIBOT-Manager Wang Chuang deutet schon an, wohin das führt: vom Verkauf der Maschine zum Verkauf eines Produktivitätspakets.

Wie gemessen wird
Workenaktive Roboter mal autonome Stunden mal Effizienzfaktor
Digit bei GXOüber 100.000 Taschen, rund 98 Prozent Treffsicherheit
Digit 4über 65.000 Betriebsstunden, neun Standorte
Figure 02 bei BMWelf Monate, Zehn-Stunden-Schichten, 90.000 Zyklen
Aufträge Digit 5über 273 Mio. €
Volle KI-Amortisationnur 5 bis 10 Prozent der großen US-Firmen

Erst messen, dann kaufen

Die neue Kennzahl ist ein Fortschritt, weil sie den Blick von der Stückzahl auf die Arbeit lenkt. Sie ersetzt aber keine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Wer einen Humanoiden prüft, sollte die vier Betriebsgrößen von Tag eins an selbst erfassen und im Vertrag festhalten, wer für Stillstand und Ausschuss zahlt. Der Anbieter, der als erster Amortisationszeiten statt Ausstoß nennt, wird den Markt drehen.

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