35 Kilo, 1,22 Meter, ab 12.000 Euro: Was der Roboter Sepp am Königssee zeigt

- Der Roboter ist ein Unitree R1 aus Hangzhou, 1,22 Meter groß, 35 Kilogramm schwer
- Preis je nach Ausstattung 12.000 bis 33.000 Euro, allein die Hände kosten rund 10.000 Euro
- Gestellt und gesteuert wird er per Fernbedienung von Benjamin Nitzinger, Geschäftsführer der BaySec
- Für den Ticketkauf gab es keine Kategorie, aufs Schiff durfte Sepp nicht — der Besitzer fordert einen Roboter-Führerschein
Am Königssee in Schönau war ein humanoider Roboter unterwegs. Sepp wird er genannt, 1,22 Meter groß, 35 Kilogramm schwer; das Modell heißt Unitree R1. Gebaut wird es in Hangzhou, bestellt hat es sein Besitzer direkt in China. Der Ausflug endete am Ticketschalter: Für einen Roboter gibt es dort keine Fahrkarte.
Was das Gerät kostet und kann. Der R1 ist das kleinste Modell von Unitree, einem der größten Roboterhersteller Chinas. Je nach Ausstattung liegen die Preise nach Angaben des Besitzers zwischen 12.000 und 33.000 Euro, allein die Hände kosten rund 10.000 Euro. Auf einem Filzstift-Etikett steht „Testgerät Nummer 4“. Das heißt konkret: Ein humanoider Roboter ist heute ein Produkt von der Stange, kein Forschungsprojekt.
Wer ihn steuert. Auf dem Ausflug entscheidet Sepp nicht selbst, wohin er geht. Benjamin Nitzinger, 39, Geschäftsführer der Bayerischen Gesellschaft für Cybersicherheit in Anger, läuft daneben und hält eine Fernbedienung in der Hand. Er besitzt den Roboter seit etwa zwei Monaten und hat ihn selbst programmiert. Das heißt konkret: Was die Passanten sehen, ist ein sehr guter Marionettenschauspieler, kein autonomer Kollege.
Was fehlt, sind die Regeln. Nitzinger nennt die Lücke selbst: Es gibt keinen Führerschein für Roboter, keine eigene Haftpflicht für Humanoide und keine Regel, wo sie laufen dürfen. Bestellen kann ihn jeder. Er plant zusätzliche Sicherungen, damit die Maschine nicht außer Kontrolle gerät, und sagt: „So ein Roboter ist eine Kraftmaschine.“ Das heißt konkret: Wer heute einen Humanoiden durch eine Halle oder über einen Parkplatz schickt, klärt Haftung und Sicherheit ohne Vorgabe — allein mit der eigenen Betriebshaftpflicht.
Was der Ausflug sonst zeigt. Rund 2,2 Kilometer um den Höglwörther See lief Sepp in 29 Minuten und 58 Sekunden, danach hatte der Akku noch etwa 40 Prozent. Die Strecke ist per GPS auf der Sportplattform Strava dokumentiert. Eine unabhängige Bestätigung für einen Rekord gibt es nicht. Am Königssee bildeten sich Trauben von Kindern und Touristen, während die Schifffahrt beim Ticketkauf passen musste. Das heißt konkret: Die Aufmerksamkeit ist schon da, die Regeln sind es nicht.
| Modell | Unitree R1, Hersteller aus Hangzhou |
| Größe und Gewicht | 1,22 Meter, 35 Kilogramm |
| Preis | 12.000 bis 33.000 Euro je Ausstattung |
| Hände | rund 10.000 Euro Aufpreis |
| Betrieb | ferngesteuert per Handsteuerung |
| Testfahrt | 2,2 Kilometer in 29:58 Minuten, danach rund 40 Prozent Akku |
| Fehlt | Roboter-Führerschein, eigene Haftpflicht, Regeln für öffentliche Wege |
Die Preisangaben stammen vom Besitzer, nicht vom Hersteller. Die Seeumrundung ist nicht unabhängig als Rekord bestätigt, die Aufzeichnung liegt nur auf einer Sportplattform.
Die Technik ist schneller als die Regeln
Sepp zeigt zwei Dinge gleichzeitig: Ein humanoider Roboter ist für den Preis eines Kleinwagens zu haben, und niemand sagt, wer haftet, wenn er jemanden umstößt. Für Betriebe heißt das, den Einsatz innerbetrieblich selbst zu regeln — mit Gefährdungsbeurteilung, klaren Fahrwegen und einer Person, die im Zweifel eingreift. Wer erst bei der Versicherung fragt, hat zu spät angefangen.
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