Münchner Startup Microagi meldet 91 Mio. € Jahresumsatz nach sechs Monaten

- Microagi erreicht nach eigenen Angaben 91 Mio. € wiederkehrenden Jahresumsatz, ein halbes Jahr nach dem Produktstart.
- Über die Plattform Shift filmen mehr als 25.000 bezahlte Personen in über 15 Ländern ihre eigenen Arbeitsabläufe.
- Die Aufnahmen gehen an Labore, die Robotermodelle entwickeln; Microagi passt sie mit Kundendaten an.
- Im Sommer sammelte das Münchner Startup 50 Mio. € in der nach eigenen Angaben größten Seed-Runde Deutschlands.
Das Münchner Robotik-Startup Microagi meldet einen wiederkehrenden Jahresumsatz von rund 91 Mio. € — erreicht ein halbes Jahr nach dem Start seines Produkts Shift. Das Geschäftsmodell: Menschen werden bei der Arbeit gefilmt, aus den Aufnahmen lernen Robotermodelle.
Wie das Geld verdient wird. Microagi bezahlt Menschen dafür, ihre Handgriffe aufzuzeichnen — mit Kamera und Sensorhandschuhen. Die Plattform Shift sammelt diese Aufnahmen; nach Firmenangaben arbeiten dafür mehr als 25.000 bezahlte Personen in über 15 Ländern. Die Datensätze verkauft Microagi an Labore, die Robotermodelle entwickeln. Die zweite Plattform Atlas passt diese Modelle mit den Daten des jeweiligen Kunden an und hilft bei Auswahl und Installation der Roboter. Das heißt konkret: Ein Betrieb bekommt keinen Standardroboter, sondern ein Modell, das auf seine eigenen Handgriffe trainiert ist.
Wer dahinter steht. Gründer ist Bercan Kilic, der 2023 als Aerodynamik-Ingenieur beim Formel-1-Team Red Bull Racing anfing und 2025 in München sein Unternehmen gründete. Im Sommer 2026 sammelte Microagi 50 Mio. € in einer Seed-Runde — nach Angaben des Unternehmens die größte in Deutschland. Angeführt wurde sie von Hummingbird, beteiligt waren Northzone, LocalGlobe, Village Global und Redalpine. Eine Bewertung nennt Microagi nicht.
Welche Lücke Shift füllt. Sprachmodelle wurden mit Texten und Bildern aus dem Internet trainiert. Für Roboter gibt es diesen Datenschatz nicht. Der Robotikforscher Ken Goldberg von der University of California in Berkeley nennt es eine Lücke von 100.000 Jahren: So lange bräuchte ein einzelner Roboter, um die nötigen Erfahrungen selbst zu sammeln. Microagi schließt diese Lücke mit bezahlten Aufnahmen von Menschen — und konkurriert damit mit Datenanbietern wie Scale AI, Turing und Micro1.
Warum deutsche Fabriken angesprochen sind. 2024 wurden in China nach Angaben der International Federation of Robotics rund 295.000 Industrieroboter installiert — 54 Prozent aller Neuinstallationen weltweit; in den USA waren es 34.200. Gleichzeitig altert Europa: Das Durchschnittsalter in der EU lag 2025 bei 44,9 Jahren, und die EU-Kommission rechnet damit, dass die Erwerbsbevölkerung bis 2050 um bis zu 18,8 Millionen Menschen schrumpfen könnte. Kilic argumentiert deshalb, Produktion nach Europa zurückzuholen funktioniere nur mit Robotern.
Wie weit die Technik ist. Microagi versteht sich als Mittler: Die Labore liefern die Modelle, Microagi ergänzt sie mit den Daten der Kunden und bringt sie auf die Roboter. Gründer Kilic hält den entscheidenden Durchbruch für nahe — den Punkt, an dem Robotersysteme nützlich genug für den breiten Einsatz sind. Kunden kommen nach Firmenangaben aus der Automobilindustrie, der Logistik und der Lebensmittelproduktion.
| Unternehmen | Microagi, München, gegründet 2025 |
| Jahresumsatz (wiederkehrend) | rund 91 Mio. €, Unternehmensangabe |
| Produkte | Shift (Daten sammeln), Atlas (anpassen und einsetzen) |
| Datensammler | über 25.000 bezahlte Personen in über 15 Ländern |
| Seed-Runde 2026 | 50 Mio. €, angeführt von Hummingbird |
| Kundenbranchen | Automobil, Logistik, Lebensmittel |
Die Umsatzzahl ist eine eigene Angabe des Unternehmens und beschreibt wiederkehrende Aufträge, nicht den Gewinn. Eine Bewertung nennt Microagi nicht.
Was Betriebe daraus mitnehmen
Der Engpass der Robotik ist nicht mehr die Mechanik, sondern das Wissen über den eigenen Prozess — und für dieses Wissen zahlt Microagi Menschen. Für Betriebe heißt das: Wer Arbeitsabläufe heute sauber dokumentiert, hat später die bessere Grundlage für Automatisierung, unabhängig vom Hersteller. Die Datenlücke der Branche lässt sich mit Geld schließen; 25.000 Menschen filmen sich inzwischen dafür.
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