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Micron: Jeder Humanoide braucht so viel Speicher wie ein autonomes Auto — und der bleibt knapp

Halbleiterchip in einer behandschuhten Hand
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Micron-Chef Sanjay Mehrotra nennt humanoide Roboter und autonome Fahrzeuge als nächste große Treiber der Speichernachfrage — noch vor dem Ende des Jahrzehnts.
  • Ein heutiges Auto mit Assistenzsystemen hat rund 16 Gigabyte Arbeitsspeicher; ein Fahrzeug mit voller Automatisierung (Stufe 4) braucht über 300 Gigabyte.
  • Ein Humanoider soll laut Micron auf dem Rechenniveau eines hochwertigen Stufe-4-Fahrzeugs arbeiten — mit über 200 Gigabyte Arbeitsspeicher und mehreren Terabyte Speicherplatz.
  • Microns Angebot bleibt vorerst knapp: Die Nachfrage nach Arbeitsspeicher und Flash-Speicher übersteigt 2026 die Liefermenge, obwohl das Angebot um rund 20 Prozent wächst.

Der Speicherkonzern Micron hat bei der Vorlage seiner Quartalszahlen einen neuen Nachfrageblock benannt: Roboter. Nach Einschätzung von Vorstandschef Sanjay Mehrotra brauchen humanoide Roboter künftig Rechen- und Speicherausrüstung auf dem Niveau eines hochautomatisierten Fahrzeugs — mit über 200 Gigabyte Arbeitsspeicher und mehreren Terabyte Massenspeicher pro Maschine.

Woher die Zahlen kommen. Mehrotra nannte sie in der Telefonkonferenz zum abgelaufenen Geschäftsquartal. Zum Vergleich: Ein heutiges Auto mit einfachen Assistenzsystemen hat rund 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Ein Fahrzeug der Automatisierungsstufe 4, das ohne Eingriff fahren kann, benötigt laut Micron über 300 Gigabyte. Ein humanoider Roboter soll auf einer ähnlich leistungsfähigen Rechenplattform arbeiten — also über 200 Gigabyte Arbeitsspeicher und mehrere Terabyte Massenspeicher mitbringen. Solche Speichermengen sind heute die Ausnahme außerhalb von Rechenzentren.

Was das konkret bedeutet. Speicher steckt nicht in den Gelenken, sondern in der Recheneinheit des Roboters. Dort liegen die trainierten Modelle, die Karten der Umgebung und die Software. Das heißt konkret: Jeder zusätzliche Sensortyp — Kameras, Tiefenkameras, Tastsensoren — erhöht den Speicherbedarf, und zwar dauerhaft im Betrieb, nicht nur bei der Entwicklung.

Ein hochautomatisiert fahrender Lastwagen: Micron zufolge braucht ein Fahrzeug der Stufe 4 über 300 GB Arbeitsspeicher.
Ein hochautomatisiert fahrender Lastwagen: Micron zufolge braucht ein Fahrzeug der Stufe 4 über 300 GB Arbeitsspeicher. (Quelle: The Robot Report)

Warum die Preise nicht so schnell fallen. Micron hat im abgelaufenen Quartal rund 49 Milliarden Euro umgesetzt und erwartet für das laufende Quartal 54,6 bis 57,3 Milliarden Euro — Werte weit über den Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig baut der Konzern Kapazität erst auf: Für das erste Halbjahr sind rund 23 Milliarden Euro Investitionen vorgesehen. Nach Angaben von Mehrotra wird die Nachfrage nach Arbeits- und Flash-Speicher im Jahr 2026 durch die Liefermenge begrenzt — selbst wenn das Angebot insgesamt um rund 20 Prozent wächst. Der Analyst Shay Boloor von Futurum Equities bringt die Folge auf den Punkt: Es komme „Server-Speicher in Millionen Maschinen außerhalb der Rechenzentren". Micron selbst spricht von einer 20-jährigen Wachstumsphase der Robotik.

Was Beschaffer daraus mitnehmen sollten. Wer Roboter oder deren Steuerungen einkauft, plant heute Bauteile ein, die Jahre im Voraus vergeben werden. Speichermodule gehören inzwischen zu den Positionen mit den längsten Lieferzeiten. Das heißt konkret: Für jede Serienanwendung lohnt es, den Speicherbedarf nicht knapp zu kalkulieren und Lieferzusagen für die geplante Laufzeit schriftlich zu verlangen — inklusive einer zweiten, geprüften Bezugsquelle. Wer den Speicher erst beim Aufbau der Serienmaschine bestellt, zahlt den Preis, den der Markt in diesem Moment aufruft.

Speicherbedarf je Fahrzeug und Roboter
Auto mit Assistent (unter Stufe 2)rund 16 GB Arbeitsspeicher
Auto der Stufe 4über 300 GB Arbeitsspeicher
Humanoider Roboterüber 200 GB plus mehrere TB Speicher
Micron-Quartalsumsatzrund 49 Mrd. €
Micron-Erwartung Folgeq.54,6 bis 57,3 Mrd. €
Investitionen 1. Halbjahrrund 23 Mrd. €
Angebotswachstum 2026rund 20 %, Nachfrage bleibt limitiert
Quelle der AngabenMicron, Telefonkonferenz zum Quartalsabschluss

Die Angaben stammen aus einer Telefonkonferenz des Herstellers und sind keine unabhängig gemessenen Bedarfswerte. Speicherbedarf und Lieferlage können sich mit jedem Quartal ändern; die Preisentwicklung ist nicht garantiert.

Speicher wird zur Planungsposition

Speicher war für Roboterbauer lange eine Bestellposition am Ende des Projekts. Wenn Micron recht behält, wird daraus eine Planungsposition am Anfang. Wer heute Anlagen mit Robotern, Fahrsystemen oder Vision ausrüstet, sollte die Speichermengen und Lieferzusagen genauso behandeln wie Getriebe oder Motoren — mit Vertragslaufzeit und Alternativlieferant.

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