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Rokae liefert 10.000 humanoiden Kraftkontrollarme — und wird damit profitabel

Ein Industrieroboterarm hebt einen Karton in einer Fertigungshalle (Quelle: Robotics and Automation News)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • 10.000ster Humanoidenarm am 29. September im Werk Zoucheng vom Band gelaufen
  • Mehr als 80 Industriepartner setzen die Arme in Produktionsanwendungen ein
  • Bei Schaeffler in Taicang montieren fünf Rokae-Humanoide Bauteile für Humanoide
  • Umsatz im ersten Halbjahr 2026: 53 Millionen Euro, plus 135,8 Prozent

Der chinesische Robotikhersteller Rokae hat am 29. September den 10.000sten kraftgeregelten Arm für humanoide Roboter ausgeliefert. Gefertigt wurde die Einheit im Werk in Zoucheng in der Provinz Shandong. Für Rokae ist die Zahl weniger ein Rekord als der Nachweis, dass sich humanoide Arme in Serie und mit gleichbleibender Qualität bauen lassen — und dass Kunden sie in echten Produktionslinien einsetzen.

Was da vom Band gelaufen ist. Die AR-Serie trägt Lasten von 3 bis 20 Kilogramm und wiegt halb so viel wie ihre Nutzlast. Jeder Arm hat sieben Gelenke, die Kraft an jedem einzelnen Gelenk messen. Ein Steuergerät von der Größe eines Schuhkartons — 213 mal 145 mal 45 Millimeter — bedient wahlweise einen Arm, ein Arm-Paar oder mehr als 20 Gelenke eines kompletten Humanoiden. Das heißt konkret: Hersteller von Humanoiden müssen die Ansteuerung nicht selbst entwickeln, sie kaufen sie mit dem Arm ein.

Wo die Arme arbeiten. Der sichtbarste Einsatz steht bei Schaeffler im Werk Taicang. In der dortigen Leitfabrik arbeiten fünf radgetriebene Humanoide vom Typ Helios mit AR-Armen an einer Montagelinie für Humanoiden-Komponenten. Sie greifen Teile, fügen sie zusammen und prüfen sie. Mehr als 80 Industriepartner haben die Arme nach Firmenangaben in Produktionsanwendungen integriert. Der Schritt von der Messe in die Linie ist damit vollzogen — allerdings bei Bauteilen, nicht bei kompletten Endprodukten.

Die Zahlen dahinter. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Rokae umgerechnet rund 53 Millionen Euro um, 135,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 5.600 der gut 13.000 ausgelieferten Einheiten entfielen auf Roboter für embodied AI, also körperlich arbeitende Systeme; dieser Bereich steuerte 17,8 Millionen Euro und damit gut ein Drittel des Umsatzes bei. Die Bruttomarge lag bei 29,8 Prozent, der bereinigte Gewinn bei 2,4 Millionen Euro — nach einem Verlust im Vorjahr. Eine Marge unter 30 Prozent zeigt, wie eng der Preisdruck in diesem Segment ist.

Warum ausgerechnet Arme das Geschäft sind. Ein humanoider Roboter besteht aus 30 bis 50 Gelenken, zwei Armen, Händen, Sensorik und Rechner. Die Hersteller kompletter Roboter stehen im Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit; die Zulieferer der Arme verkaufen an alle. Morgan Stanley hat in seiner jüngsten Umfrage genau dorthin verwiesen und Getriebe- und Hydraulikanbieter empfohlen. Rokae ist beides: Arm-Zulieferer und Hersteller eigener Humanoide, die Firma ist seit diesem Jahr in Hongkong börsennotiert.

Was deutsche Zulieferer daraus lernen. Kraftregelung ist kein Zusatz, sondern die Voraussetzung für Montage: Ein Arm, der die Kraft nicht spürt, drückt Teile kaputt. Wer als Zulieferer in dieses Feld will, braucht drei Dinge — messbare Wiederholgenauigkeit über Zehntausende Zyklen, eine Stückkostenrechnung, die unter der eines Standard-Knochengreifers liegt, und eine Steuerung, die der Kunde ohne eigene Entwicklungsabteilung integrieren kann. Das heißt konkret: Der Wettbewerb entscheidet sich bei Serie und Preis, nicht bei der Vorführung.

Rokae: Kraftkontrollarme und Geschäftszahlen
10.000ster Arm29. September 2026, Werk Zoucheng
Nutzerüber 80 Industriepartner
AR-Serie3 bis 20 Kilogramm Nutzlast, 7 Gelenke
Umsatz H1 202653 Millionen Euro, plus 135,8 Prozent
Umsatz embodied AI17,8 Millionen Euro, 34 Prozent Anteil
Bereinigter Gewinn2,4 Millionen Euro (Vorjahr: Verlust)

Die Zulieferer sind zuerst da

Während die Hersteller ganzer Humanoide noch Pilotprojekte zählen, hat der Arm-Zulieferer bereits Serie und Gewinn erreicht. Für den Mittelstand ist das die relevantere Nachricht: Die Komponenten, die einen Humanoiden arbeitsfähig machen, sind marktreif — die Rechnung für den kompletten Roboter ist es noch nicht.

Humanoide bauen Humanoide in Taicang

Was bei Schaeffler in der Leitfabrik tatsächlich montiert wird.

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