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Ein Chirurg, zwei Humanoide: Samsung Medical Center testet OP-Assistenz

Ein Chirurg, zwei Humanoide: Samsung Medical Center testet OP-Assistenz
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Am Samsung Medical Center hielten zwei humanoide Roboter auf Zuruf Instrumente, Endoskop und Gewebe — der Chirurg arbeitete ohne menschliche Assistenz.
  • Das Konsortium ORchestra sammelt mit vier Kliniken standardisierte OP-Daten; die Förderung liegt bei rund 9 Millionen Euro über fünf Jahre.
  • In Labortests lag die Anreichrate bei 98,7 Prozent, die Reaktionszeit unter zwei Sekunden — eine Patientenstudie ist erst für 2029 vorgesehen.

Am Samsung Medical Center in Seoul haben zwei humanoide Roboter als Assistenzteam mit einem Chirurgen gearbeitet. Bei einem simulierten Eingriff an einer Ziegenleber reichten sie Instrumente, hielten das Endoskop und zogen Gewebe zur Seite. Nach rund zehn Minuten war die Gallenblase entfernt — ohne menschliche Assistenz am Tisch.

Wer beteiligt ist. Hinter der Demonstration steht das Konsortium ORchestra unter Leitung des Samsung Medical Center. Beteiligt sind der Roboterhersteller Rainbow Robotics, der Hand- und Sensorspezialist AIDIN Robotics, die Seoul National University, die Sungkyunkwan University, das National Cancer Center und das Jeonbuk National University Hospital. Neun Fachärzte arbeiten mit, vier Kliniken liefern standardisierte, anonymisierte Operationsdaten. Finanziert wird das Projekt über das koreanische ARPA-H-Programm mit umgerechnet rund 9 Millionen Euro über fünf Jahre.

Wie die Roboter arbeiten. Zwei Systeme teilen sich die Aufgaben: Ein Roboter hält die Kamera und folgt den Instrumenten selbstständig, ein zweiter reicht Instrumente an und zieht Gewebe zurück. Der Chirurg spricht die Kommandos, der Roboter bestätigt sie und bewegt sich. Das Team nennt das Solo-Operation: ein Operateur, kein eingerückter Assistent. Das heißt konkret: Ein Eingriff, für den heute zwei bis drei Personen am Tisch stehen, wird von einer Person plus Maschine gefahren.

Operationssaal bei der laparoskopischen Testreihe mit humanoiden Assistenzrobotern Quelle: humanoid.guide
Operationssaal bei der laparoskopischen Testreihe mit humanoiden Assistenzrobotern (Quelle: humanoid.guide)

Was die Zahlen sagen. Im Labor lag die Greifrate bei fünf Instrumenten bei 100 Prozent, die Anreichrate bei 98,7 Prozent. Nach einem Kommando bewegt sich der Roboter in unter zwei Sekunden, Ziel ist unter einer Sekunde. Bei unklaren Kommandos fragt das System zurück. Die Hand von AIDIN Robotics trägt in jedem Fingergelenk einen Tastsensor und erfasst Kontakt 50 Mal pro Sekunde.

Warum das in Korea Thema ist. Projektleiter Jung Yong-gi nennt den Engpass offen: Kleine und regionale Kliniken finden kaum qualifizierte OP-Assistenz. Eine rund um die Uhr besetzte Stelle bedeutet etwa fünf Personen im Schichtbetrieb. Wenn ein Roboter eine dieser Stellen voll übernimmt, sei der Return on Investment unausweichlich, so Jung. Zusatzkosten für Patienten schließt die Klinik aus; verkauft oder vermietet werden soll über Rainbow Robotics und AIDIN Robotics.

Der Zeitplan. Das Projekt läuft im zweiten Jahr und befindet sich in der Machbarkeitsphase. Ziel ist eine erste klinische Studie 2029 mit einem Klasse-III-Medizinprodukt — dafür sind Großtierversuche, eine GMP-Zertifizierung, die Zulassung der koreanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde und eine Ethikkommission nötig. Ende des Jahres entscheidet ein Wettbewerbsverfahren, ob das Projekt in die zweite Phase geht.

ORchestra in Seoul
Demonstrationsimulierter Gallenblasen-Eingriff, 16. September, Seoul
Roboter im Einsatz2 humanoide Assistenten, 1 Chirurg
Greifrate (Labor)100% bei 5 Instrumenten
Anreichrate (Labor)98,7%
Reaktionszeitunter 2 Sekunden, Ziel unter 1 Sekunde
Förderungrund 9 Mio. Euro über 5 Jahre
Erste klinische Studiefür 2029 geplant (Klasse III)

Der gezeigte Eingriff war eine Simulation an einer Ziegenleber, keine Behandlung am Menschen. Das System ist in der Machbarkeitsphase; Zulassung und kommerzieller Einsatz sind für 2029 und später geplant. Alle Leistungswerte stammen aus Labortests des Konsortiums.

Fazit

Der Test zeigt, worum es beim Humanoiden im Krankenhaus wirklich geht: nicht um die Operation, sondern um die zweite Hand. Kliniken mit Personalproblemen im OP sollten den Zeitplan kennen — realistisch wird ein solches System nicht vor 2029, und verkauft wird es zuerst in Asien.

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