Schaeffler streicht 3.460 Stellen — und hofft auf Humanoide

- 3.460 Stellen fallen in Europa weg, 16 Standorte sind betroffen, fünf Werke sollen schließen
- Einmalaufwand rund 480 Mio. €, ab 2030 sollen 300 Mio. € pro Jahr herauskommen
- Die Antriebsplattform für Humanoide macht laut Vorstand etwa die Hälfte der Roboterkosten aus
- Konkrete Kunden nennt Schaeffler nicht, Serienmodelle erwartet der Vorstand erst in unter fünf Jahren
Schaeffler baut in Europa 3.460 Stellen ab, rund 2.660 davon in Deutschland. Am selben Tag, an dem der Konzern solide Neunmonatszahlen vorlegte, verkündete der Vorstand das nächste Sparprogramm. Die Hoffnung liegt auf humanoiden Robotern und Rüstung — beide Felder sind noch klein.
Was der Konzern streicht. Betroffen sind 16 Standorte in Europa, fünf davon sollen schließen. Dortmund mit 430 Beschäftigten, Morbach mit 160 und Berlin mit 270 fertigen vor allem Teile für Verbrennungsmotoren. In Schwalbach fallen rund 190 der 385 Stellen weg, der Rest wechselt nach Frankfurt. Bezogen auf die deutsche Stammbelegschaft von 31.957 Menschen sind das rund 9 Prozent bis 2028. Mit früheren Programmen und 1.800 Altersteilzeitverträgen kommt der Konzern auf rund 18 Prozent.
Das Programm kostet einmalig rund 480 Mio. €, der größte Teil wird noch 2026 zurückgestellt. Ab 2030 sollen 300 Mio. € pro Jahr herauskommen. Neu ist ein Solidaritätsbeitrag: ein befristeter Gehaltsverzicht über alle Ebenen, beginnend beim Vorstand. Ohne ihn, sagt Schaeffler, wäre der Abbau größer ausgefallen.
Warum die Zahlen trotzdem solide sind. Nach neun Monaten steht der Umsatz bei 17,48 Mrd. €, das Ergebnis vor Sondereffekten bei 794 Mio. €. Die Marge liegt bei 4,5 Prozent, im Vorjahr waren es 4,2. Geld verdient der Konzern weiter mit Teilen für Verbrenner und mit Ersatzteilen. Die E-Mobilität dagegen verliert 571 Mio. €, die Marge liegt bei minus 14,8 Prozent. Wegen schrumpfender China-Volumen kommen 240 Mio. € Sonderbelastung dazu.
Das heißt konkret: Die Sparten, die heute Gewinn machen, hängen am Verbrennungsmotor. Genau dort bricht die Nachfrage weg. Deshalb sucht Schaeffler Umsatz außerhalb des Kerngeschäfts. Bis 2035 sollen es 10 Prozent sein, bei heutigem Niveau etwa 2,3 Mrd. €.
Die Robotik ist noch ein Versprechen. Auf der Hannover Messe zeigte Schaeffler eine Antriebsplattform für Humanoide und bekam dafür den Hermes Award. Rund 30 Antriebseinheiten stecken in einem Roboter. Das Drehmoment — die Kraft, mit der ein Gelenk dreht — reicht von 20 Newtonmetern im Handgelenk bis 250 in Knie und Hüfte. Laut Technologievorstand Uwe Wagner machen diese Antriebe etwa die Hälfte der Gesamtkosten eines Humanoiden aus. Das ist Schaefflers Kernkompetenz: Präzisionsteile in großen Stückzahlen.
Doch im Juni sprach der Konzern noch von keinem einzigen Kunden. In der Quartalsmitteilung heißt es nun, man habe neue Kunden gewonnen. Namen und Stückzahlen fehlen. Die Beteiligung am Londoner Startup Humanoid ist rund 1,23 Mrd. € wert. Der Partner meldet 34.000 Vorbestellungen im Wert von rund 2,18 Mrd. €, aber keine bestätigten Auslieferungen auf Rechnung. Vorstandschef Klaus Rosenfeld erwartet Serienmodelle in weniger als fünf Jahren.
Und die Rüstung? Schneller könnte es bei Drohnen gehen. Mit dem französischen Hersteller Delair hat Schaeffler eine Fertigungslinie vereinbart, ab November sollen dort täglich 100 Drohnen des Typs Damoclès entstehen. Gebündelt ist das Geschäft in der STech Defence GmbH in München. Für deutsche Standorte ist das kein Trost: Die Fertigung liegt in Frankreich.
| Stellenabbau Europa | 3.460, davon rund 2.660 in Deutschland |
| Standorte | 16 betroffen, fünf Schließungen geplant |
| Umsatz 9 Monate | 17,48 Mrd. € (Vorjahr 17,67 Mrd. €) |
| Ebit vor Sondereffekten | 794 Mio. €, Marge 4,5 Prozent |
| E-Mobility | minus 571 Mio. €, Marge minus 14,8 Prozent |
| Sparziel ab 2030 | 300 Mio. € pro Jahr |
| Einmalaufwand | rund 480 Mio. € |
| Beschäftigte weltweit | 108.004 (30. September 2026) |
Was Zulieferer daraus lernen
Wer heute über Automatisierung nachdenkt, sollte den Schaeffler-Fall genau lesen. Der Konzern baut Stellen ab, weil das Kerngeschäft schrumpft — nicht weil Roboter die Arbeit billiger machen. Die Humanoid-Technik ist ein Zuliefergeschäft mit offenem Ausgang. Für mittelständische Zulieferer liegt die realistische Chance weniger im fertigen Roboter als in Antrieben, Gelenken und Präzisionsteilen. Wer dort Kapazität hat, sollte jetzt mit den Herstellern sprechen, bevor die Stückzahlen vergeben sind.
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