Südkorea lässt 20 Humanoide ohne Schutzzaun in Werken arbeiten

- Ausnahme genehmigt: 20 Humanoide von Robros arbeiten an vier Industriestandorten Seite an Seite mit Beschäftigten.
- Standorte sind Halbleiterverpackung (Nepes), Karosserieteile (Sungwoo Hitech), Schiffbau (HD Hyundai Samho) und Kühlverpackung (Delivery Lab).
- Die Genehmigung verlangt eine Risikobewertung je Einsatz; die Daten sollen in künftige Sicherheitsnormen einfließen.
- Robros will in der ersten Hälfte 2027 ein eigenes KI-Modell für Humanoide vorlegen.
Südkoreas Ministerium für Handel, Industrie und Energie hat am 13. Oktober eine Ausnahme vom Arbeitsschutzrecht genehmigt. 20 humanoide Roboter des Herstellers Robros dürfen damit an vier Industriestandorten neben Menschen arbeiten. Bisher verlangen die Regeln eine Trennung von Beschäftigten und Industrierobotern.
Was genehmigt wurde. Die Entscheidung läuft über das staatliche Programm für regulatorische Sonderfälle, also ein befristetes Testfenster mit Ausnahmen. Vier Betriebe sind beteiligt: Nepes reinigt Halbleiterverpackungen, Sungwoo Hitech positioniert Karosserieteile, HD Hyundai Samho stapelt Schiffbaumaterial, Delivery Lab bewegt gekühlte Verpackungseinheiten. Für jeden Einsatz verlangt das Ministerium eine Risikobewertung und zusätzliche Schutzmaßnahmen.
Wer dahintersteht. Robros baut den zweibeinigen Roboter IGRIS-C und arbeitet an einem eigenen KI-Modell für Humanoide. Der Zeitplan nennt die erste Hälfte 2027. Bis dahin will die Firma 800.000 Stunden Simulationsdaten und 200.000 Stunden Videoaufnahmen von Menschen sammeln. Das sind Ziele, keine fertigen Datensätze. Zusätzlich setzt Robros auf Fernsteuerung, um Bewegungen von Beschäftigten aufzuzeichnen.
Warum das für deutsche Betriebe zählt. In der EU regeln die Maschinenverordnung und die Normen für Zusammenarbeit den Robotereinsatz. Südkorea sammelt mit der Ausnahme Praxisdaten für genau die Frage, die hier offen ist: Wann darf ein mobiler Roboter ohne Käfig neben Menschen arbeiten? Das heißt konkret: Wer heute Humanoide plant, muss den Sicherheitsnachweis weiter selbst führen — Südkorea liefert dafür bald die Referenzwerte.
Was noch offen ist. Die Genehmigung erlaubt einen Test, sie belegt keine Leistung. Veröffentlichte Zahlen zu Taktzeit, Erfolgsquote oder Eingriffen durch Beschäftigte fehlen. Erst diese Ergebnisse zeigen, ob der Humanoide in der Serie mithält.
| Land | Südkorea |
| Behörde | Ministerium für Handel, Industrie und Energie |
| Genehmigung | 13. Oktober 2026, Testfenster mit Ausnahmen |
| Roboter | 20 Humanoide des Herstellers Robros |
| Standorte | Nepes, Sungwoo Hitech, HD Hyundai Samho, Delivery Lab |
| Branchen | Halbleiter, Automobil, Schiffbau, Logistik |
| Auflage | Risikobewertung und Schutzmaßnahmen je Einsatz |
| KI-Modell | von Robros angekündigt für erste Hälfte 2027 |
| Datenziele | 800.000 Stunden Simulation, 200.000 Stunden Video |
Die Genehmigung ist ein Testfenster, kein Nachweis im Dauerbetrieb. Erfolgsquoten oder Taktzeiten aus den Werken sind bislang nicht veröffentlicht.
Einordnung
Südkorea geht einen Schritt, den Europa noch vor sich hat: Der Staat erlaubt den Test und sammelt die Daten gleich mit. Für Hersteller ist das ein Vorsprung bei den Sicherheitsnachweisen. Für Käufer hierzulande ändert sich kurzfristig nichts, der Schutzzaun bleibt vorerst Pflicht.
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