Südkorea eröffnet Datenfabrik für Humanoide: 12 Roboter, 1.000 Quadratmeter

- KIMM und ETRI betreiben die Anlage in Daejeon mit zwölf Humanoiden auf rund 1.000 Quadratmetern
- Die Zahl der Roboter soll auf 25 wachsen, ab Ende 2027 auch Firmen die Anlage nutzen
- Der Staat plant bis 2030 rund 1,55 Mrd. € ein und will 1.080 eigene Humanoide kaufen
- Der Anteil heimischer Kernbauteile soll von etwa 45 auf 80 Prozent steigen
Südkorea hat am Dienstag seine erste Datenfabrik für humanoide Roboter eröffnet. In Daejeon führen Forscher zwölf Humanoide per Fernsteuerung durch Alltagsaufgaben und Industriearbeit und zeichnen dabei jede Bewegung auf. Die Anlage soll die Grundlage dafür sein, eigene Modelle statt ausländischer zu nutzen.
Wer die Daten produziert. Betreiber sind das Korea Institute of Machinery and Materials (KIMM) und das Forschungsinstitut ETRI. Auf zwei Etagen und rund 1.000 Quadratmetern stehen derzeit zwölf Humanoide, geplant sind 25. Bediener steuern die Roboter aus der Ferne: Sie holen Dinge aus dem Kühlschrank, sortieren Wäsche, räumen ein Sofa auf und bedienen Tasten und Hebel in einem Auto. Der eigene Roboter KAIROS zeigte bei der Eröffnung präzises Greifen.
Warum Fernsteuerung Daten liefert. Ein Roboter lernt eine Bewegung nicht aus einem Video. Er braucht Messwerte aus dem eigenen Körper: Gelenkwinkel, Kräfte, Fehlversuche. Beim Teleoperieren entstehen genau diese Daten. Aus ihnen werden Modelle trainiert, die Bild und Anweisung in Bewegung übersetzen. Die trainierten Modelle laufen danach wieder im Roboter, die Ergebnisse fließen in die nächste Runde.
Das heißt konkret: Südkorea baut eine Fabrik für Trainingsdaten, nicht für Roboter. Diese Daten sind der Engpass der Branche — sie entscheiden, wie schnell ein Humanoider neue Aufgaben lernt.
Der Staat zahlt und kauft. Das Projekt hängt am Programm K-Moonshot des Wissenschaftsministeriums, das KI auf zwölf nationale Aufgaben anwendet. Bis 2030 sind umgerechnet rund 1,55 Mrd. € eingeplant, unter anderem für den Kauf von 1.080 heimischen Humanoiden. Der Anteil heimischer Kernbauteile soll von etwa 45 auf 80 Prozent steigen. KIMM-Präsident Ryu Seog-hyeon sagt, hochwertige Roboterdaten in großem Umfang seien der Kern nationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Was das für deutsche Betriebe bedeutet. Südkorea macht, was Deutschland mit dem Trainingszentrum am Münchner Flughafen begonnen hat: eine gemeinsame Infrastruktur, in der Roboter unter realen Bedingungen trainiert werden. Der Unterschied ist der Maßstab. In München sind es rund 17 Mio. € und bis zu 400 Roboter in mehreren Stufen. In Daejeon stehen zwölf Roboter, dafür mit einem staatlichen Rahmen bis 2030 und der klaren Absicht, eigene Modelle zu exportieren.
Für den Mittelstand zählt der zweite Teil: Wer Roboter einsetzt, wird künftig zwischen Modellen wählen, nicht nur zwischen Herstellern. Wer selbst Daten aus dem eigenen Betrieb sammeln kann, bleibt unabhängig.
| Standort | Daejeon, betrieben von KIMM und ETRI |
| Roboter | 12 im Betrieb, 25 geplant |
| Fläche | rund 1.000 Quadratmeter auf zwei Etagen |
| Staatliche Mittel | rund 1,55 Mrd. € bis 2030 |
| Beschaffung | 1.080 heimische Humanoide geplant |
| Kernbauteile | heimischer Anteil soll von 45 auf 80 Prozent steigen |
| Öffnung | ab Ende 2027 für Firmen und Hochschulen |
Der Wettbewerb entscheidet sich bei den Daten
Die Datenfabrik zeigt, wo der Wettbewerb entschieden wird: nicht beim Gehäuse und nicht bei der Gangart, sondern bei den Aufnahmestunden. Deutsche Betriebe profitieren davon, wenn sie ihre eigenen Prozesse als Datenquelle begreifen und beim Einkauf darauf achten, dass die Datenhoheit beim Kunden bleibt. Wer heute Roboter testet, sollte von Anfang an mitprotokollieren — sonst zahlt er später für Erfahrungen, die andere schon gesammelt haben.
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