Tutor Intelligence: Neue Lagerroboter — trainiert von 50 Fernsteuerern in Mexiko und auf den Philippinen

- Cassie: aus dem festen Einarm-Roboter wird eine fahrende Plattform — bis 22,6 Kilogramm pro Kiste, bis 14 Kisten pro Minute.
- Sonny: zwei Arme, sechs Achsen je Arm, vier Kameras — erstes Serienmodell mit dem eigenen 4,5-Milliarden-Parameter-Modell Ti0.
- Trainingshalle DF1 in Massachusetts: 100 Roboter, betreut von 45 bis 50 angelernten Fernsteuerern.
- Referenzkunde BetterBody Foods rechnet 36 Prozent günstiger als mit einem Beschäftigten.
- Preise nennt der Hersteller nicht; Sonny-Piloten bei Kunden sind für dieses Jahr geplant.
Tutor Intelligence hat am 16. September die zweite Generation seiner Lagerroboter vorgestellt. Der Palettierer Cassie fährt nun selbst, der Zwei-Arm-Roboter Sonny soll erstmals an Kunden gehen. Die eigentliche Neuerung steht hinter den Robotern: eine Halle mit 100 Maschinen, an denen angelernte Kräfte in Mexiko und auf den Philippinen Modelltraining erzeugen.
Was Cassie wird. Bisher war Cassie ein Einarm-Roboter an einem festen Platz. Die zweite Generation rollt auf vier Rädern durch das Lager, entlädt Paletten, palettiert, packt um und kommissioniert ganze Kisten. Sie trägt Kisten bis 22,6 Kilogramm und schafft nach Herstellerangaben bis zu 14 Kisten pro Minute. Die Batterie soll länger als eine Schicht halten, die Vakuumpumpe fürs Greifen ist eingebaut — ein externer Sauger am Arbeitsplatz entfällt. Das heißt konkret: Aufstellen dauert zwei Tage statt zwei Wochen, und die Maschine kann zwischen zwei Hallen wechseln.
Was Sonny wird. Sonny hat zwei Arme mit je sechs Achsen, vier Kameras und einfache, nachgiebige Greifer in Bionik-Bauweise. Er ist für Regal-Picking, Kommissionierung und Verpackung gedacht — also für Aufgaben, bei denen Stücke einzeln angefasst werden. Cassie und Sonny laufen mit unterschiedlichen Modellen: Cassie mit dem kleineren Turing-Modell, Sonny mit dem neuen Ti0. Ein solches VLA-Modell verbindet Bilderkennung mit Bewegung: Der Roboter erkennt, was zu tun ist, und führt es aus. Ti0 hat 4,5 Milliarden einstellbare Größen (Parameter) — mehr als zehnmal so viele wie bei vielen einfachen Roboter-Netzen.
Die Datenfabrik. In einer alten Segeltuchfabrik in Watertown im US-Bundesstaat Massachusetts stehen 100 Sonny-Roboter nebeneinander. 45 bis 50 angelernte Kräfte in Mexiko und auf den Philippinen steuern sie per Datenhandschuh fern, machen Bewegungen vor und korrigieren Fehler. Jede dieser Aufzeichnungen fließt in das Training aller Roboter der Flotte ein. Der Hersteller nennt die Halle die größte Roboter-Datenfabrik der USA; zu den Unterstützern zählen Nvidia und Amazon über das Physical-AI-Programm des Robotik-Verbands MassRobotics.
Was Kunden berichten. Der Logistikdienstleister Productiv in Dallas setzt seit rund drei Monaten einen Cassie-Palettierer ein; nach Angaben seines Finanzchefs arbeitet der Roboter auf Augenhöhe mit einem Menschen. BetterBody Foods in Utah und Massachusetts nutzt drei Palettierer und rechnet 36 Prozent günstiger als mit einem Beschäftigten — drei weitere sollen in den kommenden 18 Monaten folgen. Die Zahl der Roboter im Feld wächst nach Herstellerangaben um rund 20 Prozent pro Monat. Preise nennt Tutor nicht.
Was noch offen ist. Sonny ist bei keinem Kunden im Einsatz; Mitgründer und Chef Josh Gruenstein hofft auf Piloten bis Jahresende. Wer Palettieren oder Kistenkommissionierung automatisieren will, sollte drei Dinge vorher schriftlich klären: Taktzeit im Dauerbetrieb, Verfügbarkeit über eine Schicht und das Verhalten bei Artikeln, die das Modell nicht erkennt.
| Hersteller | Tutor Intelligence, Watertown (Massachusetts), gegründet 2021 |
| Cassie 2. Gen | fahrende Plattform, vier Räder, Kisten bis 22,6 kg |
| Takt | bis 14 Kisten pro Minute (Herstellerangabe) |
| Sonny | zwei Arme, sechs Achsen je Arm, vier Kameras, Bionik-Greifer |
| Modelle | Turing (Cassie) und Ti0 mit 4,5 Mrd. Parametern (Sonny) |
| Trainingshalle | DF1: 100 Roboter, 45 bis 50 Fernsteuerer |
| Referenz | BetterBody Foods: 36 % unter den Kosten eines Beschäftigten |
| Preis | nicht genannt |
Herstellerangaben. Die 14 Kisten pro Minute, die Schichtdauer und die wachsende Flotte sind Angaben von Tutor Intelligence. Belastbar sind die 36 Prozent Ersparnis bei BetterBody Foods — sie stammen aber von einem einzelnen Kunden, rechnen nur Personalkosten und lassen Anschaffung, Wartung und Stillstand außen vor.
Einordnung
Tutor ist das Gegenmodell zu den zweibeinigen Humanoiden: fahrende Plattform plus ein oder zwei Arme, keine Beine. Das ist billiger, heute lieferbar und für Kisten, Paletten und Regale gebaut. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil ist nicht die Mechanik, sondern die Trainingshalle: Wer 100 Roboter gleichzeitig von Menschen anlernen lässt, sammelt Daten, die kein einzelner Betrieb selbst erzeugen kann. Für Mittelständler heißt das: Solche Systeme werden als Dienstleistung kommen — inklusive Modell, Wartung und Fernhilfe.
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