Xiaomi-Humanoider schafft erste volle Acht-Stunden-Schicht im Autowerk

- Acht Stunden am Stück an der Sortierstation für Abdeckungen der Mittelkonsole
- Erfolgsquote 94 bis 98 Prozent an drei Stationen, Taktzeit 76 Sekunden
- Der Roboter korrigierte Störungen selbst und stimmte sich mit der Liniensteuerung ab
- Parallel läuft ein Haustest im Mitarbeiter-Wohnheim: über 50 Aufgaben in gut 30 Minuten
Xiaomi hat seinen Humanoiden erstmals eine volle Acht-Stunden-Schicht in der eigenen Autofabrik arbeiten lassen. Der Roboter deckte den kompletten Tagesbedarf einer Sortierstation ab, teilte der Konzern auf dem Weltinternetkongress in Wuzhen mit. Dort bekam das Robotikteam einen Preis für sein Grundlagenmodell.
Was in der Schicht passiert ist. Die Station sortiert Seitenabdeckungen für Mittelkonsolen. Der Roboter arbeitet dort seit dem Frühjahr, zunächst drei Stunden autonom an einer anderen Station. Damals lag die Erfolgsquote bei 90,2 Prozent, die Taktzeit bei 76 Sekunden. Bis Juli stieg die Quote auf 98 Prozent, zwei weitere Stationen kamen dazu. Über alle drei Stationen nennt Xiaomi 94 bis 98 Prozent.
Wichtiger als die Quote ist die Schichtlänge. Acht Stunden ohne menschlichen Eingriff bedeuten, dass der Roboter Störungen selbst korrigiert und sich mit der Liniensteuerung abstimmt. Genau das unterscheidet einen Pilotbetrieb von einem Arbeitsplatz.
Warum das für den Mittelstand zählt. Ein Humanoide, der acht Stunden durchhält, ist kalkulierbar. Bisher planen Betriebe solche Systeme mit ständiger Aufsicht, jede Unterbrechung kostet Taktzeit. Xiaomi liefert nun erstmals eine Zahl für die volle Schicht statt für eine Vorführung.
Das heißt konkret: Der Roboter ersetzt an dieser Station keinen Menschen, aber eine Schicht. Wer ähnliche Aufgaben hat — Teile greifen, sortieren, ablegen — kann die Rechnung mit dieser Quote aufmachen.
Der Haustest läuft parallel. In einem Wohnheim für Mitarbeiter testet Xiaomi denselben Modellstapel im Haushalt. Ein Agentensystem arbeitet über drei Räume und erledigt mehr als 50 Aufgaben in gut 30 Minuten: Werkzeug bereitlegen, Sofa aufräumen, Müll wegräumen, Räume prüfen. Das Video dazu zeigt laut Konzern eine einzige Einstellung von 32 Minuten. Offen bleibt, wie viele Roboter beteiligt sind und wie lange der Test läuft.
Woher die Fähigkeiten kommen. Das Modell Xiaomi-Robotics-1 wurde im Juli vorgestellt und im August offengelegt. Es wurde mit mehr als 100.000 Stunden echter Greifdaten aus 1.700 Umgebungen und 260 Aufgabentypen vortrainiert. Danach folgten über 10.000 Stunden Daten von anderen Robotertypen. Das zweite Modell, Xiaomi-Robotics-0, rechnet laut Konzern in 80 Millisekunden auf einer normalen Grafikkarte.
Für deutsche Betriebe ist weniger der Rekord interessant als der Weg: Xiaomi trainiert im eigenen Werk und im eigenen Wohnheim, also in Umgebungen, die der Konzern kontrolliert. Wer Roboter einführen will, braucht genau solche Daten aus dem eigenen Betrieb.
| Schichtlänge | 8 Stunden, voller Tagesbedarf der Station |
| Erfolgsquote | 94 bis 98 Prozent über drei Stationen |
| Taktzeit | 76 Sekunden pro Bauteil |
| Training | über 100.000 Stunden Greifdaten, 1.700 Umgebungen |
| Haustest | über 50 Aufgaben in gut 30 Minuten |
| Modelle | Xiaomi-Robotics-1 (offen), Robotics-0 (80 ms) |
Vom Versuch zum Arbeitsplatz
Die Acht-Stunden-Schicht ist der erste belastbare Hinweis, dass Humanoide den Sprung vom Versuch zum Arbeitsplatz schaffen. Bei BMW laufen Figure-Roboter zehn Stunden im Werk, dort mit klarer Station und viel Betreuung. Für den Mittelstand heißt das: zuerst Aufgaben mit klarer Taktzeit, alles andere später. Wer heute eine Station mit 76 Sekunden Takt und wiederkehrenden Griffen hat, sollte einen Test planen und die Erfolgsquote selbst mitloggen.
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