Init kauft Applied Autonomy: autonome Busse für den deutschen Nahverkehr

- Init Innovation in Traffic Systems kauft 67,74 Prozent von Applied Autonomy aus Norwegen.
- Dessen Software xFlow überwacht autonome Busse aus der Leitstelle und greift bei Bedarf ein.
- In Stavanger fährt seit diesem Jahr Europas erster Linienbus ohne Sicherheitsfahrer im Mischverkehr.
- In Deutschland fehlen nach Init-Angaben mehr als 20.000 Busfahrer.
Der Karlsruher Verkehrstechnik-Anbieter Init übernimmt die Mehrheit am norwegischen Start-up Applied Autonomy. Init hält jetzt 67,74 Prozent. Die Software des Start-ups steuert Europas ersten Linienbus, der ohne Sicherheitsfahrer im normalen Stadtverkehr fährt — in Stavanger.
Wer kauft und wer verkauft. Init Innovation in Traffic Systems ist ein börsennotiertes Unternehmen aus Karlsruhe, das Leitsysteme für Busse und Bahnen baut. Applied Autonomy sitzt in Kongsberg in Norwegen, wurde 2017 gegründet und hat acht Mitarbeiter. Den Kaufpreis nannte keine der beiden Firmen.
Was die Software macht. Applied Autonomy baut keine Fahrzeuge, sondern die Software dahinter. Die Plattform xFlow verbindet autonome Fahrzeuge mit der Leitstelle, überwacht sie in Echtzeit und schaltet sich per Fernzugriff ein, wenn kein Fahrer an Bord ist. In Deutschland heißt diese Rolle „technische Aufsicht“. Zusammen mit dem Leitsystem MOBILE-ITCS von Init sollen autonome und klassische Busse in einem gemeinsamen Betrieb laufen.
Warum Deutschland der Zielmarkt ist. Nach Init-Angaben fehlen hierzulande mehr als 20.000 Busfahrer, bei einem Bestand von rund 87.500 Bussen. Etwa 40 Prozent der Beschäftigten gehen im kommenden Jahrzehnt in den Ruhestand. Init führt das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt BRAVE10k, das die Grundlagen für mehr als 10.000 autonome Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr bis 2030 legen soll — von einheitlichen Genehmigungen bis zur digitalen Zwilling. Das heißt konkret: Ein Busbetrieb kann künftig einen Teil seiner Flotte autonom fahren lassen und den Rest klassisch — gesteuert aus einer Leitstelle.
Ein kleiner Betrieb mit großen Partnern. Der Umsatz von Applied Autonomy lag 2025 bei rund 530.000 Euro, deutlich unter dem Wert von 2022, mit einem kleinen Verlust. Der Gründer hatte eigenes Geld zugeschossen, um den Betrieb zu halten. Große Wagniskapitalrunden gab es nie, dafür öffentliche Förderung. Mit Init als Mehrheitseigner soll die Technik jetzt international wachsen. Bei der Fernüberwachung ist Init nicht allein: Volkswagen bereitet mit der Tochter MOIA ebenfalls einen autonomen Fahrdienst vor.
| Käufer | Init Innovation in Traffic Systems (Karlsruhe) |
| Anteil | 67,74 Prozent an Applied Autonomy |
| Start-up | Kongsberg (Norwegen), 8 Mitarbeiter, gegründet 2017 |
| Software | xFlow: Leitstelle, Überwachung, Fernassistenz |
| Flaggschiff | Linienbus ohne Sicherheitsfahrer in Stavanger |
| Fahrermangel Deutschland | über 20.000, Bestand rund 87.500 Busse |
Auch ein autonomer Linienbus braucht weiterhin eine Leitstelle, die bei Problemen eingreift. Die Zahl der fehlenden Busfahrer nennt Init selbst.
Software statt Fahrer
Init kauft keine Fahrzeuge, sondern die Steuerung dahinter. Genau das ist der Engpass im Nahverkehr: Wer Leitstellen und Fernassistenz beherrscht, kann den Fahrermangel abfedern. Für Busbetriebe in Deutschland ist das der praxisnahe Weg zur Automatisierung.
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