Galaxea AI: 900 Aufträge im Dunkellager — und Roboter, die Roboter montieren

- Chinesisches Startup Galaxea AI zieht WRC-Bilanz: 900 vollständige Aufträge im automatisierten Dunkellager, 1.775 Picks, 1.560 Packzyklen.
- Erstmals montieren Roboter Roboter — laut Hersteller 30 Prozent schneller als manuelles Teaching.
- Neuer Rad-Humanoid Nexo: 30 Freiheitsgrade, 20 kg Nutzlast an beiden Armen, 8 Stunden Laufzeit.
- Noch kein Preis und kein EU-Vertrieb — die Zahlen stammen aus dem Messedemobetrieb.
Das chinesische Startup Galaxea AI hat auf der World Robot Conference (WRC) 2026 in Peking die Bilanz seines Messeauftritts vorgelegt: 900 vollständige Aufträge in einem automatisierten Dunkellager, eine Montage, in der Roboter Roboter zusammenbauen — und mit dem Nexo einen neuen Rad-Humanoiden für Fertigung und Logistik.
Mehr als Laufshows: zehn Demos unter einem Motto
Galaxea AI trat auf der WRC 2026 unter dem Titel „Productivity Awakening“ an. Statt einzelner Kunststücke zeigte das Unternehmen mehr als zehn Szenarien, die zusammen eine Botschaft ergeben: verkörperte KI ist von der Forschung in den industriellen Alltag gewandert. Gründer und CEO Jiyang Gao erklärte dazu die Strategie „1+3+N“ — Hardware (Galaxea Dynamics) und verkörperte Grundlagenmodelle (Galaxea Model) bilden den Kern, drei Produktlinien das Angebot, ein Partnernetzwerk die Breite. Sein Satz dazu: „Wir bauen keine Roboter für einmalige Showeffekte. Wir bauen Roboter, die Ziele verstehen, sich an Veränderungen anpassen und eigene Entscheidungen treffen.“
Dunkellager: 900 Aufträge ohne Umprogrammierung
Das Herzstück des Auftritts war nach Herstellerangabe das weltweit erste geschlossene, robotische Dunkellager-Fulfillment für Live-Bestellungen aus Mini-Programmen. Das System kommt ohne fallspezifische Umprogrammierung aus: Es verarbeitet zehntausende verschiedene Artikel (SKUs), zufällig platzierte Ware, Unterbrechungen und verformbare Beutel. Über die Messetage liefen 900 vollständige Aufträge, 1.775 Entnahmen (Picks) und 1.560 Verpackungszyklen. Genau diese Aufgabe — Kommissionierung in dunklen, engen Lagerflächen — gilt als einer der ersten wirtschaftlich sinnvollen Einsätze für humanoide Roboter.
Roboter montieren Roboter
Ebenfalls als Weltpremiere vermarktet Galaxea die Roboter-auf-Roboter-Montage: Ein Roboter baut mit Vision-Positionierung, Zwei-Arm-Koordination und Kraftrückmeldung Baugruppen zusammen, gesteuert von einem verstärkungslernend trainierten Grundlagenmodell. Laut Hersteller ist das 30 Prozent schneller als manuelles Teaching — bei langen Serienmontage-Zyklen. Der Kontext macht die Meldung relevant: Wenn Roboter Roboter fertigen, sinken die Stückkosten der Branche. Auch andere chinesische Hersteller fahren ihre Montage hoch — UBTECH etwa startete die Serienproduktion des Walker S2, AgiBot hat nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Einheiten ausgeliefert.
Nexo: der neue Arbeits-Humanoid
Mit Nexo hat Galaxea einen neuen Rad-Humanoiden vorgestellt: zwei Arme auf mobiler Basis, 30 Freiheitsgrade, 20 Kilogramm Nutzlast an beiden Armen und acht Stunden Laufzeit — ausgelegt für Fertigung, Logistik und kommerzielle Dienste. Ergänzt wird die Produktlinie durch den zweibeinigen Kengo und die Entwicklerplattform Lemo. Weitere Demos am Stand: Kartonfaltung mit 4.000 stabilen Zyklen pro Tag trotz absichtlicher Störungen, Parkour-Training für Zweibeiner, Greifen beliebig gelegener Objekte und Sortieren von Industrie-Teilen — die Störungen (versetzte Positionen, Zufallsposen) waren eingebaut, um Realitätsnähe zu simulieren.
| Bauform | Rad-Humanoid mit zwei Armen |
| Freiheitsgrade | 30 |
| Nutzlast (beide Arme) | 20 kg |
| Laufzeit | 8 Stunden |
| Einsatzziele | Fertigung, Logistik, Service |
| Preis / EU-Verfügbarkeit | keine Angabe |
Was das für deutsche Betriebe heißt
Die Botschaft der WRC-Bilanz: Humanoide wandern von „Kann laufen“ zu „Kann arbeiten“. Für Logistikdienstleister und Handel ist das Dunkellager-Szenario das interessanteste Signal — ein System, das ohne Umprogrammierung durch zehntausende SKUs kommt, adressiert genau den Fachkräftemangel in der Kommissionierung. Für die Industrie zählt die Roboter-auf-Roboter-Montage als Skalierungsversprechen. Ernüchternd bleibt: Galaxea nennt weder Preise noch einen europäischen Vertriebsweg. Wer chinesische Plattformen testen will, bekommt sie hierzulande über Händler wie Reichelt — mit den üblichen Fragen zu Lieferkette und IT-Sicherheit.
Herstellerzahlen aus dem Demobetrieb: 900 Aufträge, 1.775 Picks und 4.000 Faltzyklen pro Tag liefen unter Messebedingungen am eigenen Stand. Ob die Leistung im Dauerbetrieb — über Schichten, Feierabend und Inventur hinweg — hält, ist offen. Vor einer Entscheidung sollten Sie Referenzkunden mit Produktivzahlen im Realbetrieb verlangen.
Unsere Einordnung
Der Auftritt zeigt, wohin sich die Branche bewegt: weg von Gala-Posen, hin zu harter Logistik- und Montagearbeit. Das Dunkellager-Demo ist bemerkenswert, weil ein einziges System ohne fallspezifische Programmierung durch zehntausende SKUs kommt — das ist der Punkt, der für Logistiker zählt.
Für den Mittelstand heißt das: Die Technik kommt — kaufbar ist sie in Europa aber noch nicht. Wer heute investiert, automatisiert klassisch oder testet chinesische Plattformen über deutsche Händler. Und sollte Lieferketten und IT-Sicherheit vertraglich absichern.
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