Roboter lernen von Billig-Arbeitern: Datenarbeiter in Indien filmen sich für 2,40 € pro Stunde

- Bloomberg berichtet: Gigworker in Indien filmen ihre Arbeit mit Kopfkameras, damit humanoide Roboter daraus lernen – für umgerechnet rund 2,40 € pro Stunde.
- Käufer der Videodaten sind unter anderem Figure AI, Agility Robotics, 1X Technologies, Boston Dynamics, Unitree und UBTECH.
- Das Start-up Egolab.AI vermittelt die Daten und wurde im März vom US-Unternehmen Build Artificial Intelligence übernommen.
- Auch Haushalts-Videos sind gefragt: Ein Anbieter zahlt umgerechnet rund 2,70 € pro Stunde für Aufnahmen aus dem Haushalt.
Zehntausende Arbeiter in Indien befestigen Kameras an ihren Köpfen – und filmen sich stundenlang bei der Arbeit. Diese Aufnahmen sind der Rohstoff, aus dem humanoide Roboter lernen. Bloomberg hat die Daten-Lieferkette dahinter dokumentiert.
Wie die Kette funktioniert. Arbeiter in Indien befestigen oft nur ein iPhone mit Klebeband am Kopf. Die Kamera filmt nach unten, auf die Hände. So entstehen präzise Aufnahmen von Griffen, Handwinkeln und Bewegungsabläufen – etwa beim Etiketten-Abziehen, Schweißen oder Pakete-Sortieren. Robotik-Firmen kaufen diese Daten, um ihre Maschinen zu trainieren.
Wer kauft. Zu den Abnehmern gehören Figure AI, Agility Robotics, 1X Technologies, Boston Dynamics sowie die chinesischen Hersteller Unitree und UBTECH. Keiner von ihnen filmt die Arbeit selbst in den Fabriken. Sie kaufen das Filmmaterial günstig ein – für umgerechnet rund 2,40 € pro Stunde.
Im Mittelpunkt steht das indische Start-up Egolab.AI. Es wurde im Januar gegründet, vermittelt nach eigenen Angaben die meisten Ich-Perspektive-Daten des Landes und wurde im März vom US-Unternehmen Build Artificial Intelligence übernommen. Laut Unternehmensdokumenten landen die Aufnahmen auch bei Tesla und Boston Dynamics.
Auch Haushalte sind gefilmt. Ein zweiter Anbieter, Objectways, zahlt umgerechnet rund 2,70 € pro Stunde für Videos aus Haushalten: Gemüse schneiden, Wäsche falten, Arbeitsflächen wischen. Das ist der Rohstoff für Heimroboter. Das Muster ist überall gleich: günstige, massenhafte Aufnahmen echter Bewegungen – zu einem Bruchteil der Kosten, die solche Daten in den USA verursachen würden.
| Verdienst der Filmer | umgerechnet ca. 2,40 € pro Stunde |
| Haushalts-Videos (Objectways) | umgerechnet ca. 2,70 € pro Stunde |
| Käufer | Figure, Agility, 1X, Boston Dynamics, Unitree, UBTECH |
| Vermittler | Egolab.AI, seit März Teil von Build AI |
| Aufgaben | Etiketten abziehen, Schweißen, Nähen, Sortieren |
| Quelle | Bloomberg, veröffentlicht am 8. September 2026 |
Die Angaben beruhen auf Bloomberg-Recherchen und Firmenangaben. Ob die Videos tatsächlich in den genannten Umfang bei den Herstellern ankommen, lässt sich von außen nicht prüfen.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
Hinter jedem trainierten Humanoiden steckt ein globaler Daten-Markt mit Billiglohn-Arbeit. Für deutsche Firmen ist das ein Hinweis mit zwei Seiten: Roboter lernen aus echten Arbeitsabläufen – aber die Qualität hängt an der Qualität der Daten. Wer humanoide Roboter testen will, sollte nachfragen, womit genau die Maschine trainiert wurde.
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