NEURA Robotics: Der erste humanoide Roboter für den Mittelstand — ein Portrait

- 1.100+ Mitarbeiter, Standorte in Metzingen, Hamburg, Zürich, Bösingen und Mühlhausen im Täle.
- 4NE-1 Gen 3.5 für 98.000 Euro vorbestellbar, Auslieferung Ende 2026; Mini für 19.999 Euro.
- Kunden und Partner: Schaeffler, Bosch, Beumer Group, RWTH Aachen, HD Hyundai, Kawasaki, Vorwerk, SAP, NVIDIA.
- Neueste Zukäufe: ADLATUS Robotics (24.08.2026), ACTIVE Shuttle von Bosch Rexroth (August 2026), ek robotics und Huber Automotive (2025).
Vom Start-up aus der Garage zum Hersteller mit über 1.100 Mitarbeitern und vier Produktlinien: NEURA Robotics hat sich in sieben Jahren zur ernstzunehmenden deutschen Adresse für kognitive und humanoide Robotik entwickelt. Wer über den Kauf eines humanoiden Roboters nachdenkt, kommt an diesem Unternehmen nicht vorbei — schon weil es derzeit der einzige Hersteller ist, dessen Humanoid für den Mittelstand tatsächlich bestellbar ist.
Gegründet wurde das Unternehmen im März 2019 von David Reger, der zuvor die Robotik-Sparte der Schweizer Mabi AG aufgebaut hatte. Unter dem Namen Han's Robot Germany gestartet, firmiert es seit November 2020 als NEURA Robotics. Seitdem folgte ein Wachstumstempo, das in der deutschen Industrierobotik seinesgleichen sucht: 2021 kam mit MAiRA der erste kognitive Cobot, 2022 folgte auf der Automatica der Ausblick auf den Humanoiden 4NE-1, und 2025 schließlich die Wende zum Serienhersteller.
Die Zahlen dahinter: 2021 rund 78 Mio. €, 2023 weitere 50 Mio. €, im Januar 2025 eine Series B über 120 Mio. € — damals verdoppelte sich die Belegschaft auf über 300 Mitarbeiter. Im Juni 2026 folgte die bislang größte Runde: eine Series C von bis zu rund 1,27 Mrd. €, bei der strategische Partner mitinvestierten und der Stablecoin-Emittent Tether seine KI-Runtime in die NEURA-Plattform integriert. Der Markt bewertet das Unternehmen inzwischen im Bereich von rund vier Milliarden Euro.
Standorte und Produktion
Die Standortkarte liest sich wie ein deutsches Innovationsnetzwerk: Hauptsitz, Software und Sensorik in Metzingen, Hardware-Entwicklung in Hamburg, die Humanoid-Entwicklung seit Dezember 2025 im Seefeld-Quartier in Zürich, Fertigung in Bösingen und Steuergeräte-Entwicklung in Mühlhausen im Täle. Dazu kommen die NEURA Gyms — Trainingszentren, in denen Roboter aus realen Anwendungsszenarien Daten sammeln. Das neueste Gym entsteht mit der RWTH Aachen; Schaeffler, Beumer Group, Bosch und die TU München trainieren dort bereits.
Die Produktion ist bewusst in Deutschland verankert: Mit der Übernahme von B.A.H. Industrial Solutions entstand im Mai 2025 die Neura Electronics GmbH, die in Bösingen Schaltschränke, Sensoren und Automationssysteme fertigt — mit mehr als 130 Mitarbeitern. Im Oktober 2025 kamen der AGV-Hersteller ek robotics (heute Neura Mobile Robotics) und die Entwicklungsabteilung von Huber Automotive (Steuergeräte, Batteriemanagement, Energiespeicher) hinzu. Und im August 2026 — wenige Tage vor Redaktionsschluss — übernahm NEURA den ACTIVE Shuttle von Bosch Rexroth, ein fahrerloses Transportsystem (AGV), das ab Oktober in die Physical-AI-Plattform integriert wird. Damit deckt das Unternehmen jetzt die komplette Kette ab: Antriebe, Steuergeräte, Transportsysteme, Cobots und Humanoide. Am 24. August 2026 folgte die Übernahme von ADLATUS Robotics aus Ulm: hunderte autonome Reinigungsroboter im Realbetrieb bekommen die Physical-AI- und Neuraverse-Anbindung — der bislang greifbarste Einstieg in den Facility-Management-Markt.
Die Modellübersicht
Das Portfolio deckt die komplette Wertschöpfungskette ab: vom kognitiven Cobot MAiRA (inklusive XL-Variante mit 35 Kilogramm Traglast) über den Leichtbauarm LARA und den Intralogistik-Roboter MAV bis zum Service-Roboter MiPA, für den seit 2025 Reservierungen laufen. Das Flaggschiff ist der humanoide 4NE-1 in der Generation 3.5 — mit Porsche-Design und MAiRA-KI. Er ist seit der CES 2026 gegen eine voll erstattbare Anzahlung von 100 Euro vorbestellbar; die Auslieferung ist für Ende 2026 angekündigt. Der kleinere 4NE-1 Mini für 19.999 Euro richtet sich an Bildung und Forschung, und mit dem Quadruped hat NEURA auf der CES 2026 auch ein vierbeiniges Modell vorgestellt.
Dazu kommt die Neuraverse: ein Software-Ökosystem, das NEURA mit einem App-Store vergleicht. Verschiedene Robotertypen teilen dort gelernte Fähigkeiten und erhalten Anwendungen und Updates — der Versuch, Robotik so updatebar zu machen wie ein Smartphone.
Kunden und Partnerschaften
Die Kundenliste zeigt, wohin die Reise geht: Schaeffler entwickelt mit NEURA Aktuatoren und plant den Einsatz einer vierstelligen Anzahl humanoider Roboter im eigenen Produktionsnetz bis 2035. Bosch und die Beumer Group trainieren im NEURA Gym, HD Hyundai Samho setzt die Roboter im Schiffbau ein, Kawasaki verkauft eine eigene Cobot-Serie, die auf der NEURA-Plattform basiert. Dazu kommen Partnerschaften mit SAP, NVIDIA, AWS, Dassault Systèmes, OMRON und Vorwerk. Der jüngste Referenzbericht kommt aus der Möbelbranche: Der Familienbetrieb Schuster Bestuhlungen hat mit NEURA-Technik das Schweißen automatisiert, ohne einen einzigen Schweißer zu ersetzen — ein Musterfall für den Mittelstand.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Realistisch betrachtet ist der 4NE-1 derzeit der einzige humanoide Roboter, den ein deutsches Unternehmen verbindlich vorbestellen kann — mit transparentem Preis und festem Lieferfenster. Die Rechnung dahinter: Bei Personalkosten von rund 70.000 Euro pro Fachkraft und Jahr amortisiert sich ein System für 98.000 Euro in gut zwei Jahren, wenn es dauerhaft eine Schicht übernimmt. Mietmodelle, Förderprogramme und die BAFA-Beratung machen den Einstieg zusätzlich planbar.
Vorsicht ist trotzdem angebracht: Vorbestellungen sind keine Auslieferungen, und ein Wettbewerbsauftritt auf der Messe ersetzt keinen Schichtbetrieb. Wer ernsthaft plant, sollte die Gym-Programme nutzen, eigene Anwendungsfälle definieren und Referenzen aus dem echten Betrieb verlangen — die Schaeffler- und Schuster-Geschichten sind dafür ein guter Maßstab.
| Mitarbeiter | über 1.100 (Ende 2025); 300 im Januar 2025, 600 Mitte 2025 |
| Hauptsitz | Metzingen (Baden-Württemberg) — Software, Sensorik, HQ |
| Weitere Standorte | Hamburg, Zürich, Bösingen, Mühlhausen im Täle |
| 4NE-1 Gen 3.5 | 98.000 Euro, Auslieferung Ende 2026, Reservierung 100 Euro |
| 4NE-1 Mini | 19.999 Euro, Bildung & Forschung, seit CES 2026 |
| MAiRA | kognitiver Cobot seit 2021; XL-Variante mit 35 kg Traglast |
| Series C (Juni 2026) | bis ≈ 1,27 Mrd. €, Bewertung ~4 Mrd. € |
| Neueste Übernahme | ADLATUS Robotics (24.08.2026) — Reinigungsroboter, hunderte im Einsatz |
| Schaeffler-Deal | vierstellige Stückzahl humanoider Roboter bis 2035, gemeinsame Aktuatorik |
Vorbestellung ist nicht Auslieferung. Der 4NE-1 ist angekündigt für Ende 2026 — wer heute reserviert, sichert einen Lieferplatz, kein fix installiertes System. Fragen Sie nach Pilotprojekten, Gym-Trainings und Referenzen aus dem Dauerbetrieb. Ein Wettbewerbsauftritt auf der Messe ersetzt keinen Schichtbetrieb.
Das Fazit
NEURA Robotics ist der einzige deutsche Hersteller, bei dem ein Mittelständler heute einen humanoiden Roboter verbindlich vorbestellen kann. Das Unternehmen hat Substanz: über 1.100 Mitarbeiter, eine deutsche Fertigung, eine Milliarden-Finanzierung und Kunden wie Schaeffler und Bosch. Wer den Einstieg plant, sollte den 4NE-1 mit konkreten eigenen Anwendungsfällen testen — die Gym-Programme und der Schuster-Fall zeigen, wie das geht.
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