Unitree G1 EDU: Zwei Sicherheitslücken erlauben Root-Zugriff — eine per Bluetooth

- Zwei Sicherheitslücken im Unitree G1 EDU: Beide geben einem Angreifer volle Kontrolle über den Steuerrechner.
- Die härtere beginnt per Bluetooth aus etwa zehn Metern Entfernung — ohne Passwort, ohne Kopplung.
- Folge: Kameras, Mikrofone, Bewegungssteuerung — und ein Fuß im Firmennetz.
- Ein Teil ist bereits geschlossen (Cloud-Prüfung, Juli 2026); eine offizielle Fix-Firmware fehlt noch.
- Für Einkäufer: Patch-Zusage, eigenes Netz für Roboter, Sicherheits-Check vor der Bestellung.
Ein Sicherheitsforscher hat zwei Wege gefunden, den Humanoiden Unitree G1 EDU zu übernehmen. Der eine beginnt per Bluetooth: Wer in etwa zehn Metern Abstand steht, kann den Steuerrechner des Roboters komplett kontrollieren — Kameras, Mikrofone, Bewegungen. Einen offiziellen Fix gibt es bislang nicht.
Die erste Lücke: Sie steckt in der Geräte-Kommunikation des Roboters. Ein Angreifer kann eine Schwachstelle nutzen, um eigene Befehle einzuschleusen — und bekommt volle Rechte auf dem Steuerrechner. Das heißt konkret: Er steuert den Roboter, liest ihn aus und programmiert ihn um, als wäre er der Besitzer.
Die zweite Lücke ist die unangenehmere. Der Angreifer muss nur in Bluetooth-Reichweite stehen, also etwa zehn Meter. Kein Passwort, keine Kopplung, kein Netzwerkzugang. Er besorgt sich über die Hersteller-Cloud die passenden Schlüssel, gibt sich als berechtigtes Gerät aus und übernimmt beim WLAN-Einrichten die volle Kontrolle über den Steuerrechner.
Das heißt konkret: Kameras, Mikrofone, Bewegungssteuerung — und ein Fuß in Ihrem Firmennetz. Ein Roboter mit Root-Zugriff ist kein Kollege mehr, sondern ein Praktikant mit Generalschlüssel.
Wer ist betroffen? Vor allem Entwicklungsteams und Forschungsabteilungen. Der G1 kostet rund 12.300 €, die EDU-Variante wird nur auf Anfrage verkauft — genau die Maschine, an der Roboter-Teams arbeiten. Ob andere Unitree-Modelle betroffen sind, ist unbestätigt. Immerhin: Unitree hat einen Teil bereits geschlossen. Die Cloud-Prüfung, ob ein Account den Roboter wirklich besitzt, wurde im Juli 2026 nachgebessert — das bricht den dokumentierten Bluetooth-Angriff.
Einordnung: Der Fall ist kein Einzelfall. Im Juli 2026 blockierte die US-Regulierungsbehörde FCC erstmals ausländische Roboter wegen Cyber-Risiken; für Unitree sind frühere Lücken dokumentiert. Wer heute einen chinesischen Humanoiden kauft, kauft auch dessen IT-Sicherheit mit. Der Steuerrechner hängt in der Regel im Firmen-Netz — ein übernommener Roboter ist wie ein fremder Schlüssel zum Lager.
Was Sie vor der Bestellung klären: Eine schriftliche Patch-Zusage mit Zeitplan. Ein eigenes Netz für die Roboter, ohne Zugriff auf ERP und Büro-IT. Und ein Sicherheits-Check vor Vertragsabschluss. Die Branche baut schneller Roboter, als sie Sicherheitslücken schließt.
| CVE-2026-76639 | Root-RCE über chat_go → bashrunner (netzwerknaher Zugriff) |
| CVE-2026-76640 | Root-RCE über Bluetooth-Low-Energy + Wi-Fi-Provisioning (Buffer Overflow) |
| Angreifer | ein einzelner Sicherheitsforscher (Disclosure 27.08.2026) |
| Bereits gepatcht | Cloud-Eigentümer-Prüfung (Juli 2026) — bricht den dokumentierten BLE-Ablauf |
| Fix-Firmware | noch nicht bestätigt |
| Betroffene Modelle | Unitree G1 EDU (andere Modelle unbestätigt) |
| Preis | G1 rund 12.300 €, EDU auf Anfrage |
Der offene Punkt: Vor der Beschaffung eines G1 EDU schriftlich Patch-Zusagen, Update-Politik und CVE-Offenlegung einfordern — und den Roboter nie unsegmentiert ins Firmen-WLAN hängen.
Unsere Einordnung
Die Lücken sind kein Grund, chinesische Humanoide pauschal zu verteufeln — aber ein Beleg, dass Security bei der jungen Humanoid-Branche noch zu oft nachgeliefert wird. Wer früh evaluiert, hat den Vorteil, Sicherheitsanforderungen vertraglich zu verankern, bevor der Anbieter skaliert. Wer das nicht tut, importiert sich ein Einfallstor in die Produktion.
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