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US-Importregeln für Roboter: 65 Prozent heimische Teile ab 2028 — Chinas Aktuatoren bleiben das Problem

Humanoider Roboter beim Handhaben von Komponenten in einer Fabrikhalle
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • US-Behörde FCC konkretisiert Robotik-Regeln: über 65 Prozent heimische Komponenten (nach Wert) ab 2028, über 75 Prozent ab 2029.
  • Aktuatoren machen 40 bis 60 Prozent der Hardwarekosten eines Humanoiden aus — und kommen überwiegend aus China.
  • Ausnahmeverfahren intransparent; Forschungslabore und Startups treffen die Regeln zuerst.
  • Für EU-Käufer keine direkte Wirkung — aber Lieferketten werden zum Vertragsthema.

Die USA haben ihre Importregeln für Roboter konkretisiert: In den USA montierte, fortschrittliche Roboter müssen ab 2028 mehr als 65 Prozent heimische Komponenten nach Wert enthalten, ab 2029 mehr als 75 Prozent. Das Kernproblem bleibt die Lieferkette — die teuersten Teile kommen aus China.

Was neu ist

Dies ist ein Update zu unserem Artikel vom 13. August über das US-Importverbot für humanoide und mobile Roboter. Die US-Behörde FCC hatte „advanced mobile robots“ im Juli auf ihre Covered List gesetzt — jetzt werden die Regeln konkret: Laut FAQ der FCC müssen in den USA montierte, neue fortschrittliche Roboter 2028 mehr als 65 Prozent heimische Komponenten nach Wert enthalten, 2029 mehr als 75 Prozent. Bestehende, bereits verkaufte Modelle sind nicht betroffen. Der Branchenverband A3, der fast 1.500 Robotik-Firmen vertritt, beschreibt die Lage so: „Jeder versucht gerade herauszufinden, was das für ihn bedeutet.“

Warum 65 Prozent so schwer werden

Das Analysehaus Gavekal hat die Rechnung aufgemacht: Aktuatoren — die Antriebe, die einen Humanoiden bewegen — machen typischerweise 40 bis 60 Prozent der Hardwarekosten aus. Dazu kommen Batterien, Lidar-Sensoren und Motor-Controller, die ebenfalls überwiegend aus China stammen. „Chinesische Teile sind nicht einzeln verboten — aber die kumulative Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten macht es schwer, diese Zielwerte zu erreichen“, schreiben die Gavekal-Analysten um Arthur Kroeber. Wer humanoide Roboter bauen will, kommt an chinesischen Antrieben also kaum vorbei — egal ob in den USA, in Europa oder anderswo.

Ausnahmen: intransparent — und kaum für chinesische Ware

Wie Unternehmen Ausnahmen beantragen können, ist bislang kaum nachvollziehbar. Einzelne Router-Hersteller erhielten befristete Ausnahmen von Importbeschränkungen — unter der Auflage, künftig in den USA zu produzieren. Für chinesische Produkte wurden solche Angebote nach Informationen von Nikkei Asia kaum gemacht. Der deutsche Robotik-Berater Georg Stieler (Stieler Technology & Market Advisory) formuliert die offene Frage so: Ob chinesische Roboterfirmen einen echten Weg zu einer bedingten Zulassung haben — oder ob das Verfahren zu einem Verbündeten-Carve-out wird.

Wer zuerst leidet: Forschung und Startups

Am härtesten dürften Forschungslabore und junge Unternehmen getroffen werden, die auf importierte Roboter angewiesen sind — etwa der Houstoner Humanoid-Hersteller Persona AI. Andere begrüßen die Regeln: Der Chef des US-Roboterherstellers Standard Bots spricht von einer der stärksten technologiepolitischen Sicherheitsmaßnahmen der jüngeren US-Geschichte und fordert, auch feste Industrieroboterarme einzubeziehen. Boston Dynamics plädiert derweil für eine nationale Robotik-Strategie statt kurzfristiger Verbote.

Der Stand der US-Regeln (02.09.2026)
MaßnahmeFCC-Covered-List: „advanced mobile robots“ (Juli 2026)
Eigenanteil (nach Wert)über 65 Prozent ab 2028 · über 75 Prozent ab 2029
Aktuatoren am Hardwarepreis40–60 Prozent (Analysehaus Gavekal)
Weitere China-TeileBatterien, Lidar, Motor-Controller
Bestandsgerätenicht betroffen
EU-Vergleichsregelbislang keine

Was das für deutsche Betriebe heißt

Für deutsche Betriebe ändert sich kurzfristig nichts: Die EU hat keine vergleichbare Regel, chinesische Anbieter wie Unitree, UBTECH oder AgiBot liefern weiter nach Europa — AgiBot-Modelle sind hierzulande ab rund 82.000 Euro über Reichelt bestellbar. Der Fall zeigt aber, wie schnell Lieferketten politisch werden: Dieselbe Konzentration bei Antrieben und Sensoren gilt global. Wer heute einen chinesischen Roboter beschafft, sollte Ersatzteilversorgung, Software-Updates und einen Ansprechpartner in der EU vertraglich absichern. Europäische Hersteller wie NEURA Robotics und deutsche Integratoren gewinnen dadurch langfristig an Argumenten.

Was die US-Regeln für Einkäufer in der EU bedeuten: Sie gelten hier nicht direkt — aber sie sind ein Vorgeschmack darauf, wie schnell Robotik-Lieferketten zum politischen Thema werden. Vor jeder Beschaffung chinesischer Plattformen: Ersatzteile, Updates und EU-Ansprechpartner schriftlich zusichern lassen — Details dazu finden Sie in unserem Artikel zum US-Importverbot.

Unsere Einordnung

Vor drei Wochen waren die US-Regeln ein Ankündigungspapier mit vielen offenen Fragen. Jetzt gibt es Zahlen: 65 und 75 Prozent heimische Komponenten, terminiert auf 2028 und 2029. Für die Branche ist das ein Weckruf — denn die teuersten Teile eines Humanoiden kommen aus China, und die lassen sich nicht von heute auf morgen ersetzen.

Für deutsche Betriebe ändert sich kurzfristig nichts. Wer aber langfristig auf chinesische Plattformen setzt, sollte die Lieferketten-Frage so ernst nehmen wie den Preis — und europäische Alternativen im Blick behalten.

Zum Hintergrund

US-Importverbot für humanoide Roboter — unser Artikel vom 13.08.

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