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Zwei Humanoide falten gemeinsam eine Hose: Westlake zeigt Robotergehirn WR1

Humanoider Roboter hantiert in einer Küche mit Gegenständen (Symbolbild, Quelle: Genesis AI)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Westlake Robotics aus Hangzhou hat WR1 vorgestellt, ein Steuerungssystem für humanoide Roboter.
  • Ein Weltmodell und ein Vision-Sprache-Aktions-Modell erzeugen eine durchgehende Ganzkörper-Bewegungsfolge.
  • In der Vorführung hebt ein Roboter eine Hose von einem schwingenden Kleiderständer und faltet sie mit einem zweiten Roboter.
  • Früher faltete das System auf einer Roboterarm-Plattform Kleidung — im besten Fall ein Teil in 36 Sekunden.

Westlake Robotics aus Hangzhou hat mit WR1 ein Steuerungssystem für humanoide Roboter veröffentlicht. In einem am 9. Oktober veröffentlichten Video holt ein Roboter Mais aus dem Kühlschrank, dreht zu einer Heißluftfritteuse ab, zieht einen Aufbewahrungskorb hinter sich her und räumt Stofftiere auf — ohne zwischen Räumen neu zu starten. Der Höhepunkt: Zwei Roboter übergeben sich eine Hose und falten sie gemeinsam.

Wie das System aufgebaut ist. WR1 kombiniert nach Herstellerangaben zwei Ebenen: ein großes „Gehirn“, das aus einem Weltmodell und einem Vision-Sprache-Aktions-Modell besteht, und ein kleineres, das die Bewegung ausführt. Das große Gehirn erkennt die Szene, versteht die Aufgabe und gibt eine komplette Bewegungsfolge aus — Gehen, Oberkörperhaltung und Handbewegungen in einem Zug. Ein sogenannter General Action Expert übernimmt die Feinsteuerung, hält das Gleichgewicht und gleicht Verzögerungen der Hardware aus.

Warum das der Knackpunkt ist. Viele Humanoide planen Laufen, Haltung und Handarbeit getrennt — deshalb müssen sie stehen bleiben, bevor sie zugreifen. WR1 erzeugt die Bewegungen in Blöcken: Während ein Block läuft, wird der nächste im Hintergrund berechnet. Das heißt konkret: Der Roboter läuft und arbeitet in einem Zug weiter, ohne Ruckler an den Übergängen. Kurz- und Langzeitgedächtnis halten die Aufgabe auch über mehrere Minuten zusammen.

Menschliche Hand trifft Roboterhand: Greiftechnik entscheidet über den Einsatz Symbolbild, Quelle: Psyonic
Menschliche Hand trifft Roboterhand: Greiftechnik entscheidet über den Einsatz (Symbolbild, Quelle: Psyonic)

Die Hosennummer als Maßstab. Im Video hebt ein Roboter eine Hose von einem schwingenden Kleiderständer, legt sie über den Arm und passt sich der Bewegung an. Ein zweiter Roboter übernimmt, beide ziehen und falten das Teil mit ihren Händen. Westlake nennt das die erste öffentliche Vorführung, in der ein Humanoide Kleidung vollständig mit Greifhänden faltet — die Aussage ist nicht unabhängig geprüft. Auf einer Roboterarm-Plattform faltete das System früher bereits Kleidung, im besten Fall in 36 Sekunden pro Teil.

Wer dahinter steht. Westlake Robotics ist ein Spin-off der Westlake University und wurde von Donglin Wang gegründet, einem dortigen Professor. Mitgründerin ist Yue Zhang, ebenfalls Professorin und auf Sprachverarbeitung spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt Gehirn, Ganzkörpersteuerung und Hardware selbst und nennt Haushaltsdienstleistungen, Fertigung und Spezialarbeiten als Zielmärkte. Kleidung falten gilt in der Branche als Prüfstein: Der Stoff verändert bei jeder Bewegung seine Form, die Sensoren können sich also nicht auf ein festes Muster verlassen.

WR1 auf einen Blick
HerstellerWestlake Robotics, Hangzhou (Spin-off der Westlake University)
Ansatzgroßes Gehirn (Weltmodell + VLA) und kleine Bewegungssteuerung
BesonderheitBewegungen in Blöcken, nächster Block läuft im Hintergrund
VorführungKüche, Aufräumen, Bett richten, gemeinsames Hosenfalten
Frühere BestleistungKleidung falten auf Roboterarm: 36 Sekunden pro Teil
ZielmärkteHaushalt, Fertigung, Spezialarbeiten

Die gezeigten Abläufe sind ausgewählte Vorführungen des Herstellers. Zur Laufzeit im Dauerbetrieb, zur Fehlerquote und zum Preis macht Westlake keine Angaben. Die Aussage zur Weltpremiere beim Hosenfalten ist nicht unabhängig bestätigt.

Geschicklichkeit wird zum Maßstab

Wasser holen und Kartons stapeln können viele Humanoide. Kleidung falten zeigt, ob ein System mit formveränderlichen Dingen umgehen kann — genau daran entscheidet sich später der Einsatz in Haushalt und Pflege. Für Betriebe ist die Meldung noch keine Kaufoption, aber ein guter Indikator: Wer Roboter für Handhabung sucht, sollte Vorführungen künftig mit solchen Alltagsaufgaben testen statt mit Bühnenchoreografien.

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