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World Humanoid Robot Games 2.0: Von Rekordzeiten zur echten Arbeit

Tiangong beim 400-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games (Quelle: Xinhua)
Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • 666 Teams, 2.056 Roboter aus 16 Nationen, 51 Disziplinen im Eis-Ribbon-Stadion in Peking.
  • 100 m in 8,86 s (Halbfinale 25.08.), Hochsprung 2,88 m — weit über den 2025er-Marken und über menschlichen Rekorden.
  • Neuer Maßstab: 400 m ohne Fernsteuerung, Pinzetten-Feinarbeit, Apothekenlager packen statt Show.

Die zweiten World Humanoid Robot Games in Peking sind beendet — und die Bilanz zeigt, wohin die Branche will: weg von Rekordzeiten, hin zu autonomer, feinmotorischer Arbeit. Genau das ist die Information, die für Einkäufer zählt.

Im Eis-Ribbon-Stadion (Beijing National Speed Skating Oval) traten vom 22. bis 26. August 666 Teams mit 2.056 Robotern aus 16 Nationen in 51 Disziplinen an. Die Sportrekorde fielen Tag für Tag: Am Eröffnungsabend (22. August) verbesserte Tiangong Ultra den 100-m-Rekord innerhalb von zwei Stunden fünfmal auf 9,32 s — schneller als Usain Bolts Weltrekord von 9,58 s. Im Halbfinale am 25. August legte der Läufer des Beijing Humanoid Robot Innovation Center (X-Humanoid) noch einmal nach: 8,86 s, rechnerisch rund 40,6 km/h Durchschnitt — die schnellste je gemessene Roboterzeit. Zum Vergleich: 2025 brauchte Tiangong Ultra für dieselbe Strecke noch 21,50 s. Im Hochsprung gingen zunächst 2,88 m über die Latte, fast dreimal so hoch wie im Vorjahr — und im Finale setzte Team Tianzhuo (Beijing Humanoid Robot Innovation Center) mit 3,40 m noch einen drauf, rund einen Meter über dem menschlichen Rekord mit Anlauf (2,45 m).

Tiangong im 400-m-Lauf der Large Group — 38,15 s, schneller als der menschliche Weltrekord Quelle: Xinhua/Ju Huanzong
Tiangong im 400-m-Lauf der Large Group — 38,15 s, schneller als der menschliche Weltrekord (Quelle: Xinhua/Ju Huanzong)

Die Schattenseite der Jagd nach Zehnteln: Mehrere Läufer kamen am Ziel nicht rechtzeitig zum Stehen und prallten in die Banden — Bremsen bleibt die Achillesferse. Im zweiten 100-m-Lauf der großen Klasse zerbrach ein Honor-Roboter im Rennen; gestürzte Roboter brachen teils in der Hüfte, mit Funkenflug bis hin zu Feuer (Ars Technica).

Der eigentliche Richtungswechsel: Die 400 m liefen erstmals vollständig autonom — Fernsteuerung war abgeschafft, die Operatoren gaben nur noch den Startbefehl. In den Szenario-Wettbewerben wurde volle Autonomie mit Gewicht 1,0 bewertet, Fernsteuerung (Teleoperation) nur mit 0,5. Bei den 100 m und 400 m kamen S-Kurven-Brücken, Wendeltreppen und durchgehende Hürden dazu; auf der langen Strecke warteten Boxen-Klettern, Krabbelnetze, Reifenfelder und Pflock-Hürden. Zwei Roboter liefen gleichzeitig nebeneinander — Balance und Ganzkörperkoordination unter Volllast statt reiner Endgeschwindigkeit.

Flash überquert im ferngesteuerten Halbmarathon die Ziellinie Quelle: Xinhua/Zhang Chenlin
Flash überquert im ferngesteuerten Halbmarathon die Ziellinie (Quelle: Xinhua/Zhang Chenlin)

Feinarbeit wurde zur eigenen Disziplin: In fünf Minuten mussten Roboter 20 Gramm Pulver auf ein halbes Gramm genau abwiegen, Blöcke stapeln, Sojabohnen einzeln mit der Pinzette aufnehmen und Kabel stecken. Im Gewichtheben holte ein chinesisches Team den ersten Titel der neuen Disziplin — gestemmt wurden 16 kg, ein Bruchteil menschlicher Rekorde (TechNode). Gold ging im Tai-Chi an das AgiBot-Team aus Shanghai, im Bodenturnen an einen Starship-Navigator in Originalgröße. Guo Yijie, Leiter des Tiangong-Ultra-Projekts, sieht in Laufen und Springen die zwei Kernfähigkeiten eines Humanoiden: generalisierte Fortbewegung und Ganzkörper-Bewegungsimitation — die Voraussetzung, jeden Ort zu erreichen, den Menschen erreichen, und jede komplexe Bewegung auszuführen.

Schwergewichts-Kickboxen: AGIbot-Team gegen Shanghai Circus School & AGIbot Quelle: Xinhua/Ju Huanzong
Schwergewichts-Kickboxen: AGIbot-Team gegen Shanghai Circus School & AGIbot (Quelle: Xinhua/Ju Huanzong)

Die Szenario-Wettbewerbe bildeten echte Arbeitswelten ab: Apothekenlager packen, Papier in Drucker einlegen, Akten schreddern, Ladestecker in drei E-Autos binnen 30 Minuten einstecken, Sprachbefehle in der Gastronomie befolgen, Notfall-Gänge freiräumen. Ergänzend sorgten bei der Eröffnung die Galbot-Humanoide mit über 100 autonomen Tennis-Ballwechseln für den Showmoment (bereits berichtet) und der Honor-Roboter Lightning mit 40,6 s über 400 m für den nächsten Weltrekord — der menschliche Rekord liegt bei 43,03 s.

Bemerkenswert: Unitree, der größte Humanoid-Ausrüster, zog sich aus mehreren Disziplinen zurück, um sich auf seine Massenproduktionslinien zu konzentrieren; Gründer Wang Xingxing verfolgte die Spiele von der Tribüne. Wer bereits ausliefert, so die Lesart, braucht den Wettbewerb nicht mehr zum Beweis — er nutzt ihn als Spiegel des Branchenstands. Genau so sollten auch Mittelständler die Ergebnisse lesen: als Belastungsprobe unter Wettbewerbsbedingungen, nicht als Garantie für den Schichtbetrieb.

World Humanoid Robot Games 2.0 — die Bilanz
Teams666 aus 16 Nationen
Roboter2.056
Disziplinen51
100 m8,86 s im Halbfinale (25.08.); Tag 1: 9,32 s; 2025: 21,5 s; Bolt: 9,58 s
Hochsprung3,40 m Finale (Tianzhuo, 25.08.); Quali: Tiangong 2,88 m; 2025: 0,96 m
400 mvollautonom ohne Fernsteuerung (Honor Lightning: 40,6 s)
Feinarbeit20 g Pulver auf 0,5 g, Pinzetten-Aufgaben, Kabel stecken
Zum Vergleich 2025280 Teams, 500+ Roboter, 26 Disziplinen

Wettbewerb ist nicht Betrieb. Im Eis-Ribbon laufen definierte Aufgaben unter Aufsicht, mit Technikern in Reichweite und ohne Dauerlast. Ein Acht-Stunden-Schichtbetrieb mit wechselnden Aufgaben ist eine andere Prüfung — lassen Sie sich Referenzen aus echten Linien zeigen, nicht Medaillen.

Unsere Einordnung

Die Spiele 2.0 sind die bislang beste Antwort auf die Frage, wann Humanoide in der Arbeitswelt ankommen: Der Fokus ist von der Show auf Autonomie und Feinmotorik gewandert — genau die Fähigkeiten, die im Lager, in der Apotheke oder in der Produktion zählen. Wer 2027 einkaufen will, sollte die Szenario-Ergebnisse als erste Belastungsprobe der Lieferanten lesen.

Die Spiele im Überblick

Tag 1: 2.056 Roboter arbeiten im Hotel.

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