Autohersteller testen Humanoide — und geben zu: Menschen sind noch schneller

- BMW (Spartanburg, Figure 03): Komponenten umsetzen — Logistik-VP: „noch langsamer als Menschen“
- Mercedes testet Apptronik, Hyundai Boston Dynamics, Tesla treibt Optimus voran
- GM und Renault gehen den Gegenweg: Roboter ohne Beine beziehungsweise ohne Kopf
- MIT-Experte warnt vor „Millionen-Dollar-Lösungen für Hundert-Dollar-Probleme“
Die Automobilindustrie ist der wichtigste Referenzkunde für humanoide Roboter — und sie liefert gerade den ehrlichsten Realitäts-Check der Branche. Global Sources fasst es am 24. August zusammen: Die Autohersteller testen Humanoide für Fabrikaufgaben, aber Menschen sind in Tempo und Flexibilität noch überlegen. BMW räumt es offen ein.
Der BMW-Fall: Im Werk Spartanburg (South Carolina) erprobt BMW Figure-03-Humanoide — sie bewegen Komponenten von Containern in Trolleys, laufen, greifen Teile und ziehen den Wagen. BMW-Logistik-Vizepräsident Ulrich Wieland sagt gegenüber der New York Times: „Sie sind noch langsamer als Menschen“ — bei gleichzeitig schneller Entwicklung. Computerwoche ergänzt: Figure 03 ist in Spartanburg in der Logistik im Einsatz, der Hersteller testet die Maschinen laut Bericht auch für Schweißarbeiten an Fahrzeugkomponenten.
Das Feld: Mercedes testet Apptronik-Humanoide fürs Sortieren und Handhaben von Komponenten. Hyundai — Eigentümer von Boston Dynamics — will Roboter einsetzen, die Teile für die Montage durch Menschen organisieren. Tesla treibt den Optimus voran und hat in Kalifornien Teile der Model-S-/Model-X-Produktion für die Optimus-Fertigung geräumt. Die Liste zeigt: Die großen Autobauer wetten alle auf Humanoide — aber auf unterschiedliche Plattformen und Einsatzprofile.
Der Gegenweg: GM experimentiert mit kollaborativen Robotern mit Armen und Händen — aber ohne Beine. Produktchef Sterling Anderson bringt es auf den Punkt: In der Fabrik seien Hände nützlich, „unklar ist, ob Beine es sind“. Renault zeigte einen Roboter ohne Kopf. Dahinter steht die pragmatische Frage des gesamten Hypes: Braucht die Aufgabe wirklich eine Menschengestalt — oder reichen Arm, Greifer und Schiene?
Die Skepsis: Ben Armstrong, Exekutivdirektor des MIT Industrial Performance Center, warnt vor „Millionen-Dollar-Lösungen für Hundert-Dollar-Probleme“: Einfache Automatisierung erledigt viele repetitive Aufgaben deutlich billiger. Moderne Werke sind bereits hoch automatisiert — der zusätzliche Nutzen, den ein zweibeiniger Roboter bringt, ist entsprechend begrenzt.
Lehren für den Mittelstand: Drei Dinge, die Einkäufer von der Autobranche übernehmen sollten: (1) Piloten statt Kauf — die Hersteller selbst testen, bevor sie skalieren. (2) Tempo und Flexibilität sind heute noch beim Menschen — wählen Sie Aufgaben mit geringer Variabilität und messbaren Zykluszeiten. (3) Prüfen Sie, ob die Aufgabe wirklich zwei Beine braucht — klassische Roboter, AMR und Cobots sind oft die günstigere, schnellere Lösung.
Jobs: Die Autobauer argumentieren, Roboter könnten schwer besetzbare, repetitive Stellen übernehmen und neue Wartungs- und Programmier-Jobs schaffen; Arbeitnehmervertreter befürchten Stellenabbau. Diese Debatte erreicht den Mittelstand, sobald die Technik die Kostenschwelle unterschreitet — die EngineAI-Meldung dieser Woche (Herstellkosten unter 12.500 €) zeigt, dass sie das tut.
| BMW Spartanburg | Figure 03: Komponenten Container → Trolley; VP Wieland: „noch langsamer als Menschen“ |
| Mercedes | Apptronik-Humanoide: Sortieren & Handhaben von Komponenten |
| Hyundai | Boston-Dynamics-Roboter: Teile für Montage organisieren |
| Tesla | Optimus; Produktionsfläche in Kalifornien freigeräumt |
| GM | Cobots mit Armen/Händen, ohne Beine (Sterling Anderson) |
| Renault | Roboter ohne Kopf vorgestellt |
Der offene Punkt: Die Aussagen zum Tempo („noch langsamer als Menschen“) stammen aus Interviews der New York Times (August 2026), zitiert über Global Sources und Carscoops. Sie betreffen konkrete Pilotprojekte — vor allem BMW Spartanburg — und sagen nichts über den Gesamtmarkt oder andere Hersteller. Keine Produktentscheidung auf Basis einzelner Zitate treffen.
Unsere Einordnung
Die Autobranche zeigt, was seriöse Einführung bedeutet: testen, messen, skalieren — mit öffentlich eingeräumten Grenzen. Für Mittelständler ist das eine gute Nachricht: Es entstehen realistische Erwartungen statt Show-Versprechen. Wer pilotieren will, sollte Tempo-Kennzahlen, Ausfallraten und Verfügbarkeit vertraglich festhalten — und den Vergleich mit klassischer Automatisierung nicht scheuen. Die Frage ist nicht, ob Humanoide kommen, sondern wann sie schneller, robuster und billiger werden als ein Mensch plus Stapler.
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Herstellkosten unter 12.500 € — der Preisverfall im Überblick.
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